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DCLXXXVIII. Sacramento-City in Kalifornien.
(Im Jahr 1850.)




„Jeder sieht die Dinge anders“. – Dieser Ausspruch der Stagyriten gilt nicht minder für den geistigen, wie für den leiblichen Blick des Menschen. Von den Millionen, welche vor der hereinbrechenden Barbarei und dem unleidlich werdenden Drucke mit dem Reste ihrer Habe und ihrer Hoffnungen über den Ocean flüchten, um auf der gelobten Erde der neuen Welt sich ein vernünftigeres, freieres, gesicherteres, menschlicheres Daseyn und ihren Kindern eine hoffnungsvolle, ungetrübte, bessere Zukunft zu gründen, empfängt ein Jeder von dem gesellschaftlichen, geschäftlichen und häuslichen Leben und Charakter der Amerikaner seine besondern Eindrücke, und sie werden um so wunderlicher, je träumerischer und phantastischer, je falscher und irriger die meisten Vorstellungen sind, welche den Auswanderer über das Meer begleiten. Jedoch nicht bloß am Neuling haften die Vorurtheile, durch welche er die amerikanischen Verhältnisse wie durch gefärbte Gläser betrachtet; selbst viele, und unter diesen geist- und kenntnißreiche Männer, welche schon mehre Jahre in der Union gelebt haben, sind unvermögend, die Vorstellungen, welche sie aus der alten Welt hinübertrugen, abzuschütteln, und so spricht Mancher mit Ueberzeugung Urtheile aus, die der Wahrheit widersprechen. Für Berichterstatter dieser Gattung gibt es nichts Widerlicheres, Ungenießbareres, Schlimmeres als das dollarjagende Yankeegeschlecht. Ihnen ist die große Nation nicht viel mehr als der Auskehricht aller Völker, eine Rotte von Schwindlern und Humbugmachern, von Heuchlern und gewissenlosen Menschen. Lese ich die Urtheile von solchen Leuten, welche ihre unpraktischen Ideen über Staat und Gesellschaft aus dem alten Vaterlande mit nach Amerika hinüber nahmen, in der Meinung, sie würden dort die vollkommene Verwirklichung ihrer Träume finden, so nimmt mich das nicht Wunder; bestreben sich die bezahlten Federn der Gewalt in Tageblättern und Büchern, welche offiziösen Inspirationen ihr Entstehen danken, mit beharrlichem Eifer die amerikanischen Zustände als halbbarbarische zu schildern, nur erträglich für rohe Naturen, für den hochgebildeten Europäer hingegen ein Abscheu, und würdigen sie mit mehr oder minder verhüllter