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Köpfen haben, aber keinen Sinn für das Schöne, keine Freude an der Kunst, kein Gefühl für das Edelste, was des gebildeten Europäers Gemüth bewegt und ihn begeistert. Selbst die Wissenschaften erregen des Amerikaners Interesse in der Regel nur in so weit, als sie in das praktische Leben eingreifen und demselben nützlich werden. Für Poesie hat er selten Empfänglichkeit: metaphysische Spekulation ist ihm so fremd, daß er sie verachtet, und sogar für den reinen Naturgenuß fehlen ihm gemeinlich der feinere Sinn und die wahre Liebe. Er besucht Theater und Konzerte; doch mehr um der Sinne, als um des Geistes willen; er treibt Musik, weil es zum Leben und guten Ton gehört, musikalisch zu seyn; aber wie treibt er sie, und welche Musik genügt seinem Geschmack! Eine Beethovensche Symphonie kann ihn gähnen, eine Mozartsche Sonate schläfrig machen; das Oberflächlichste sagt ihm zu, und ein Vortrag, der das Ohr einer deutschen Zuhörerschaft beleidigen würde, kann ihm noch gefallen und seinen Beifall erlangen. Er kleidet schlechte Kopien guter Bilder in prachtvolle Goldrahmen und hängt sie im guten Glauben, es seyen Originale, in seinen Salons auf: er baut sich seine Wohnungen nach der Chablone, er stattet sie aus in der hergebrachten Ordnung, wie sie Comfort und Bedürfniß ersonnen haben, ohne daß ihm nur die Idee ankommt, Etwas anders zu machen. Fällt es ihm aber ja einmal ein, oder fordert der Zweck des Gebäudes ihn dazu auf, seinen eignen Geschmack in der Baukunst und Ornamentik zu zeigen, so wird er in neun Fällen unter zehn einen architektonischen Wechselbalg zur Welt bringen, der den Bauherren lächerlich macht und dem gebildeten Sinn mißbehagt. Der Amerikaner legt Parks an nach englischen Rissen, und sie werden gefallen, wie diese; so wie er aber seiner eignen Phantasie folgt, so schafft er Karrikaturen; denn das Gefühl für das Naturschöne und das Naturschickliche ist ihm verschlossen. Er ist ein eifriger Tourist; denn der Gentleman soll ja einige Wochen, oder Monate jeden Jahres sich ein Stück von der Welt außerhalb seines Wohnorts betrachten: der Yankee ist daher, wie der Brite, überall zu finden, wohin der Dampf auf Eisen- und Wasserstraßen führt: am Leman und am Nordkap, auf dem Vesuv und an den Thermopylen, auf den Pyramiden und am heiligen Grabe, auf der Kaiserburg in Nürnberg und im Wiener Sankt Stephan: aber überall wird man dem kühlen, gelangweilten Beschauer wieder begegnen, den man in seiner Heimath an den stillen Seen von Saratoga, oder an den Fällen des Niagara traf, – jene frostigen Leute, die dem großartigsten aller Naturgemälde der Erde nach einigen Minuten des Begaffens gähnend den Rücken kehren, zufrieden mit dem Bewußtseyn, „nun doch auch am Niagara gewesen zu seyn.“

„Es muß auch solche Käutze geben!“ hat der alte Göthe selbst vom modernen Teufel gesagt. „Die räthselhafte Allmacht“, bemerkte kürzlich ein geistreicher Berichterstatter in der A. Z, „die über den Geschicken der Menschheit wacht, hat die Völker des Weltalls mit verschiedenen Gaben bedacht, um sie fähig zu machen, die verschiedenen Rollen zu spielen, die sie für die Zwecke der Menschenentwickelung einem jeden bestimmt hat. Chevalereske,