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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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und Thäler mit Goldsuchern zu Tausenden angefüllt waren, – führte eine Menge Spekulanten herbei, und nach wenigen Monaten waren schon tausend Menschen beschäftigt, die Linien der Straßen durch den Wald zu hauen. Schiffe führten Baumaterialien von San Francisco herauf und Kelle, Winkelmaß und Richtscheit folgten der Axt auf dem Fuße. Drei Monate nachdem der erste Pfahl zum Abstecken des Platzes eingeschlagen war, standen schon 370 gemauerte Wohnhäuser, mehre Hotels, ein Theater, das Rathhaus und 2 Kirchen; sechs Monate später war die Bevölkerung auf sechs Tausend angewachsen, die zum Theil freilich noch in Buden und Zelten wohnten. Dampfboote sorgten für die tägliche Verbindung mit San Francisco, der Waarentransport wurde geregelt und Sacramento-City erhob sich zum Markt, wo sich die Minenbevölkerung versorgte. Es wurde zur zweiten Stadt Kaliforniens.
Unser Bild zeigt sie in der Wiege. Ein seltsames Bild! In das Geräusch des jungen Verkehrs dröhnt noch die fällende Axt, in die neugebornen Straßen werfen noch die Riesen des Urwalds ihre Schatten.
Seitdem ist Sacramento-City drei Jahre älter geworden. Feuer und Fluthen haben sie zweimal verwüstet, und aus ihren Trümmern ist sie wieder emporgestiegen als eine der schönsten Städte der westlichen Welt. 15 Kirchen öffnen sich der Verehrung Gottes in vielerlei Sprachen und Formen; selbst die Chinesen haben eine Pagode und die Juden eine Synagoge; drei Theater (unter welchen ein chinesisches ist) und mehre Koncertsäle spenden Vergnügen, und in einer Anzahl prächtiger Privathäuser sind Luxus und Reichthum zu Hause. Der Handel erwirbt und beschäftigt Millionen, die Umgegend ist dem Spaten und dem Pfluge gewonnen, mehr als hundert Dampf- und Segelschiffe dienen dem Verkehr der Stadt und machen sie zum belebtesten Markt des Binnenlandes. Von Sacramento-City aus fahren die beladenen Barken die Nebenflüsse des Sacramento hinan in die Minendistrikte und die langen Züge der Maulthiere tragen täglich Proviant und Waaren in’s höhere Gebirge, wo die Bergleute die goldhaltigen Quarzgänge bearbeiten, die Stempel der Pochwerke an den Wildbächen lärmen und die Amalgamirhütten den gewonnenen Goldschlich zu gute machen. – Wenn der Winter die Schluchten und Wasserrisse einschneit und die Bergleute aus dem unzugänglich werdenden Hochgebirge treibt, dann wird Sacramento-City der Sammelplatz jener abenteuernden Goldjäger, Leute vielerlei Ursprungs, die, mit der goldnen Ernte ihres Fleißes und ihres Glückes beladen, zu Tausenden herabkommen, um nach so langer Mühsal und Entbehrung ihr Gold gegen das Vergnügen und den Genuß der großen Stadt zu vertauschen. Dann ist jeder Tag ein Feiertag für diese rohen Gesellen und jede Nacht Zeuge der wildesten Ausgelassenheit. Dann haben die Kneipen und Hotels, die Kaffee- und Spielhäuser volle Ernte, und ehe die Lenzsonne die Winterdecke der Berge wegschmilzt und die Wiederaufnahme der Minenarbeiten im Hochlande zuläßt, sind die erbeuteten Schätze schon verpraßt und vergeudet, und die meisten Bergleute kehren zu der sauern Arbeit zurück, ohne einen Dollar in der Tasche, und leider! oft mit verringerter Fähigkeit, die Strapatzen und Entbehrungen zu ertragen, welche sich in jenen einsamen und unwirthlichen Höhen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/173&oldid=- (Version vom 6.9.2025)