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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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noch ohne Beziehung und Interesse, liegen die Steppen dieses Erdwinkels da, mehr ein Schauplatz des Thier- und Pflanzenlebens, als ein Wohnplatz des Menschen.
Allerdings sind diese grasreichen Ebenen, die jetzt noch so verlassen sind, zum Anbau geschickt und zur Viehzucht vorzüglich geeignet. Aber keine der amerikanischen Menschenraçen hat es weniger verstanden, zu benutzen, was die Natur geboten, als die Ureinwohner von Mosquitia. Sie stehen noch auf der untersten, rohesten Stufe des Jägervolks. Sie werden untergegangen seyn, ehe sie die zweite Stufe – das Hirtenleben – betreten.
Um so freier entwickelten sich in diesen Einöden die mannichfaltigen Raçen der Thiere. Mehre Arten wilder Ochsen und Pferde, schöngefleckte Hirsche, gepanzerte Armadille, einige Species des Katzengeschlechts, riesige Fledermäuse, eine große Anzahl von Pelzthieren, mehr als 20 Schlangenarten, prächtige Vögel und unzählige Schmetterlinge, Käfer und Insekten beleben die Savannen.
Acht Monate im Jahre ist die Ebene in Grün gekleidet und mit tausendgestaltigen, bunten Blumen gestickt. Unter dem senkrechten Strahl der Sonne, im Juni, zerfällt aber die Grasbecke in Staub oder verdorrt. Das Grün ist dann in Braungelb verwandelt. Der verhärtete Boden klafft in Sprüngen auf, und der scharfe, glühende Wind treibt den Staub dampfartig über die Ebene. Im trüben, strohfarbigen Halblicht glänzt matt die Sonne; die Himmelsdecke scheint herabzusinken, daß ferne Gebirge näher zu rücken, der ganze Gesichtskreis sich zu verengen. Statt Kühlung führt der Wind Gluth herbei, wenn er über den glühenden Boden hinstreift. In Staubwolken gehüllt, von Hunger und brennendem Durst geängstigt, schweifen die Thiere umher: die Rinder dumpf aufbrüllend, die Pferde mit langgestrecktem Halse gegen den Wind anschnaubend, um durch die Feuchtigkeit des Luftstroms eine Quelle oder Lache zu errathen. Endlich zieht sich das thierische Leben meist in die Gebirge zurück und kommt erst wieder, wenn die Regenzeit eintritt, welche die Pflanzenwelt neu belebt und die Savannah in frisches Grün kleidet.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 175. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/183&oldid=- (Version vom 6.9.2025)