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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Kokoszucker und Kokosmilch geben dem Kaffee die nöthige Süße und Milde; Kokosöl füllt seine Lampe, gibt das Schmalz für seinen Kohl aus jungen Palmblättern, ist ihm, wenn er krank wird, Arznei; und stirbt er – so schließt ein Sarg aus Palmenholz seine Hülle ein, und über seinem Grabe im Palmenschatten hängen seine Lieben Kränze auf von Kokosblüthen, um die bösen Geister fern zu halten. –
Nichts Idyllischeres als die Wohnplätze der Eingebornen Ceylons. Sie erscheinen viel freundlicher und sauberer, als die der Hindu auf der indischen Halbinsel, vor denen sich der Ceylonese auch durch höhere geistige Anlagen und Liebenswürdigkeit des Benehmens vortheilhaft auszeichnet. An jede Hütte stößt ein Gärtchen mit einigen Kokospalmen und ein Stück eingehägtes Feld, daß mit Kaffee, Bataten, Reis, Areka, Tabak u. s. w. bepflanzt ist. „Es war Mittag“ – erzählte mein Gewährsmann, – „die Sonne glühte über der stillen Landschaft in unbewölktem Glanze. Neben der Hütte saß unter einem Brodfruchtbaum der Eigenthümer im weißen, leichten Kalikokleid. Betel kauend träumte er vielleicht von der Seligkeit des Buddhistischen Paradieses. Die Frau bereitete an einem offenen Heerde das einfache Mahl, und neben ihr kauerten zwei Mädchen, welche zierliche Matten aus Palmenbast flochten, während die Kleineren, zwei Knaben, sich auf dem Rasen tummelten. Tiefe Schatten der hohen Palmen umhüllten die ganze Scene; kein Lüftchen regte sich, kein Blatt zitterte. Die langen Halme des jungen Reises ragten über die Umzäunung und glänzten wie polirtes Silber. In den Gebüschen der duftenden Areka zwitscherten buntgefiederte Kolibri’s und ein Paar Paradiesvögel wiegten sich auf einem Kaffeebaume, dessen Zweige mit den rothen kirschenartigen Früchten beladen waren. Am Fuße der Anhöhe, auf der die Hütte lag, rieselte ein Bach durch einen mit Schilf und Binsen bewachsenen Grund; dort hatte sich die kleine Büffelheerde des Besitzers gelagert, die Kühle des Sumpfes genießend. Große goldige Käfer hingen müde an den Büschen; bunte Tagfalter flatterten um die nickenden Blumen; jenseits des Thals aber zog sich ein prächtiger Gürtel von Hochwald um eine Bergkuppe, wo auf grauer Felszinne die Trümmer eines Kastells sichtbar waren, letztes Zeichen einer Herrschaft, die mit der Eroberung der Insel durch die Britten verschwand. In geringer Entfernung umzog eine niedrige weiße Mauer eine Pflanzung im größern Maßstab, wohl 3 bis 400 Morgen groß, und zur Seite der stattlichen Wohnung breitete ein ganzer Hain von Palmen seine Fächerkronen aus. Ich ging hin, um sie zu besehen. Die Nähe erhöhte noch die wunderbare Schönheit. Die Palmen waren reihenweise in gleichen Abständen gepflanzt und bildeten Säulenhallen von unbeschreiblicher Pracht. Ich lustwandelte in dem Schatten ihrer langen Blätter und sah sie dicht behangen mit goldig-grünen Früchten in jedem Stadium des Wachsthums. Blüthen hingen in traubenähnlichen Büscheln rings um das obere Ende der Stammsäule, die reichsten und zierlichsten Kapitäler bildend; an andern sah ich einen Kranz von gelben, großen Nüssen, an noch andern unreife, grüne Früchte,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 180. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/188&oldid=- (Version vom 6.9.2025)