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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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oft so dicht, daß sie den obern Theil des Stammes und einen Theil der Blätterkrone ganz umhüllten. Ich versuchte die Anzahl der Früchte an einigen Palmen zu zählen; ich zählte fünfzig, achtzig, hundert – ich wurde irre, und viele, viele blieben ungezählt. Den herrlichsten Anblick gewährten Blumenbüschel, die eben ihre Scheide geborsten hatten, und die frischen, silberweißen Blüthen herausdrängten. Man kann sich nichts Lieblicheres denken“. – Der Jahresertrag einer Palme ist durchschnittlich 80 Nüsse. Sie bringt im 11. Jahre die ersten Früchte und trägt dann 50 bis 60 Jahre ohne Unterbrechung. Ein einziger Feind schmälert zuweilen den Ertrag; Eichhörnchen sind nach den halbreifen Nüssen und nach den Blüthenknospen lüstern und werden darum von den Eingebornen so beharrlich verfolgt, wie die Sperlinge von unsern Landleuten. – Ceylon ist auch das Vaterland des Zimmts und das einzige Land der Erde, wo der Anbau dieses kostbarsten der Gewürze im Großen Statt findet. Er wird an sanften, nach Süden offenen, eine reichliche Bewässerung zulassenden Abhängen gezogen, am häufigsten in der Gegend von Kadwari; denn der Zimmtstrauch erfordert zu seinem Gedeihen die Hitze einer glühenden Sonne bei immerwährender Feuchtigkeit. Nur die jungen Schößlinge geben die Rinde, welche wir als Zimmt verbrauchen; man schneidet sie, wie bei uns die Weiden zum Korbflechter:, alle zwei Jahre ab, und wiederholt dies so lange, als die Wurzel Kraft behält, eine große Zahl neuer Schößlinge zu treiben. Läßt diese nach, so rottet man sie aus und bepflanzt die Zimmtgärten mit neuen Stecklingen.
In den früheren Zeiten waren Anbau und Zubereitung des Gewürzes in den Händen einer besonderen Kaste, der Tschalia’s. Dies ist nun theilweise anders, weil unter der britischen Herrschaft der Anbau frei gegeben wurde. Nur die Zubereitung der Rinde ist noch vorzugsweise in den Händen jener Kaste, da sie Handgriffe und die Gewandtheit beständiger Uebung erfordert. Sie durchziehen zur Zeit des Schnitts das Land in Gesellschaften von 12–20 Personen und werden von den Zimmtpflanzern tageweise gedungen. Sie schneiden in den Morgenstunden die Schößlinge und binden sie in Bündel, um sodann den Rest des Tages sich mit dem Schälen zu beschäftigen. Zum Abstreifen der Rinde dient ein kleines Messer mit hohlrund geschliffener Klinge. Zuerst spaltet man die Rinde der Länge nach von einem Ende zum andern auf; dann bringt man die hohlrunde Schneide zwischen Rinde und Holz, und streift erstere ab. Auf diese Weise wird die Schale in langen Streifen gewonnen. Ist die Schälung vollendet, so wird die Rinde von allen Bast- oder Holztheilchen durch Schaben gereinigt und nach Farbe und Stärke sortirt, immer drei Stück zu einer Röhre zusammengerollt und auf ausgespannten Tüchern im Schatten getrocknet. Später werden sie noch auf leichten Holzrahmen ein oder zwei Wochen unter Schuppen ausgelegt, sodann abgewogen und in Kisten als Waare verpackt.
Alle diese Arbeiten geschehen unter der Aufsicht der von den Arbeitern selbstgewählten Obern, und ihrer Autorität zollt Jeder unbedingte Unterwerfung. Unordnungen, Fahrlässigkeiten und Veruntreuungen sind fast unerhört. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 181. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/189&oldid=- (Version vom 7.9.2025)