Seite:Meyers Universum 15. Band 1852.djvu/193

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
DCLXXXXII. Nauwoo und die Mormonen.




Die Unwissenheit und ihre Tochter, der Aberglaube, waren in jeder Zeit das stärkste Bollwerk des Despotismus. Hinter demselben fühlt er sich sicherer und unüberwindlicher als hinter den Altären, es schützt ihn besser als die ehernen Nachen seiner Batterien, und der eiserne Mechanismus der Heere gewinnt durch Unwissenheit und Wahn die rechte Zuverlässigkeit. Daher liegt es im Interesse der weltlichen wie der geistlichen Despoten, die Völker vor dem Licht des Wissens und der Aufklärung sorgfältig zu bewahren und durch alle Mittel zu verhindern, daß kein befreiender und erlösender Strahl von Erkenntniß in die Nacht der Hörigen dringe. Selbst die Verbreitung der Urschrift der christlichen Offenbarung, der heiligen Urkunde des christlichen Glaubens, ist ihnen zuwider; denn das Bibellesen weckt Nachdenken und alles Nachdenken niederzuhalten und zu verschütten, muß ihr beständiges Verlangen seyn, weil nichts in der Seele des gemeinen Mannes aufkommen soll und darf, was fähig seyn könnte, ein Gefühl von Menschenwürde und menschlicher Gleichberechtigung, oder eine Prüfung der empfangenen Glaubenslehren zu erwecken. Deshalb suchen die Tyrannen die Intelligenz, wo sie sich in den untern Klassen blicken läßt, auszurotten und die höhere wissenschaftliche Erkenntniß an bevorzugte Stände als Privilegium zu verleihen; darum verbannen sie die philosophischen Studien aus dem Lehrkreise ihrer Universitäten; darum stoßen sie Jeden, der sich aus den arbeitenden Ständen durch hervorragende Geistesgröße, Kenntnisse und unabhängige, männliche Gesinnung erhebt und dadurch zu Ansehen gelangt in der Meinung des Volks, geflissentlich und in demüthigender Weise hinab in den Staub der Mißachtung und legen ihm,