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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Anordnungen ihres Führers und der nie wankende Gehorsam, der die Befolgung jener sicherte, erreichten, was allen Vorstellungen unmöglich schien. Sie bauten unterwegs fahrbare Straßen, Brücken über Flüsse und Schluchten, Dämme über Sümpfe und Moorgründe, Fähren über große Ströme; sie sprengten die Felsen, welche ihnen das Weiterdringen im Gebirge verwehrten; sie füllten Klüfte aus, die ihnen den Weg versperrten; sie mußten für die Oeffnung einer Straße durch die Wälder über eine Viertel Million Baumstämme fällen; und über tausend Männer waren beständig thätig, 10 bis 20 Meilen rechts und links die Grasgründe zu mähen, um für die Thiere, welche die Wagen zogen, und für die Heerden Fütterung herbeizuschaffen. Andere Haufen besorgten die Jagd zum Erlangen des frischen Fleisches; und an den Rasttagen, wo die Zelte die Ebene bedeckten, wurde Gottesdienst gehalten, oder gesponnen und gewebt, gefärbt oder gewaschen. Mitten in der Wüste hörte man die feierlichen Töne der Orgel zu den Gesängen für die Ehre Gottes, oder, bei Aufführung von Konzerten, die Harmonien Beethovens, Haydn’s und Mozarts. Fast ein ganzes Jahr hatten der Auszug, die Reise, die ersten Einrichtungen der Niederlassung hinweggenommen. Im Juni 1847 standen in der neuen Mormonenstadt am Salzsee schon 800 Häuser und 80,000 Acres Land hatte die Pflugschaar gebrochen. Was dort seitdem weiter geschehen ist – das wunderbare Aufblühen der Niederlassung in Utah, die rasche, bedeutungsvolle Entwickelung des Mormonismus in dem fernen Lande, die folgenreiche politische Organisation desselben, sein Propagandamachen und Werben in allen Ländern der Erde, um das neue Reich des Heils zu kräftigen, und die hochfliegenden Pläne, welche in der Salt-Lake-City im Konklave der Apostel und ihres Propheten auf der Tagesordnung stehen, – Pläne, welche sogar die Regierung in Washington beunruhigen – werde ich bei Gelegenheit der Beschreibung von „Salt-Lake-City“ besprechen, die mein Sohn nächsten Sommer besucht. Der Erscheinung des Mormonismus, so verdammungswürdig auch dessen betrügerischer Ursprung ist, kann eine außerordentliche Lebenszähigkeit nicht abgesprochen werden. Sie steht sicher noch fern von der Grenze ihrer Entwickelung. Aus Salt-Lake-City ziehen die Apostel zu Haufen aus, um das neueste Testament unter Christen und Heiden zu verkündigen. Schon 1851 gründeten sie in den verschiedenen Staaten Amerika’s und Europa’s 602 neue Zweiggemeinden und setzten 12 Oberpriester, 1590 Priester, 682 Diakonen, 1226 Lehrer ein – sie tauften in England allein an 60,000 Personen, von denen 17,000 nach dem neuen Zion ausgezogen sind. Im vorigen Jahre haben sich ihre propagandistischen Erfolge mehr als verdoppelt. In diesem Augenblicke bereisen über dreihundert Missionäre Europa; aus allen Ländern ziehen Schaaren nach dem fernen „Lande der Heiligen“. Diese Auswanderung wird durch eine besondere Kirchenbehörde in Utah geleitet, die zu dem Zwecke große Fonds zur Verfügung hat. Schon hat sie für die transatlantische Ueberfahrt eigene Schiffe und sie sorgt auf denselben für den möglichsten Comfort der Reisenden, für musterhafte Ordnung, Reinlichkeit und Wahrung von Sittlichkeit und Gesundheit.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 194. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/202&oldid=- (Version vom 7.9.2025)