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DCLXXXXIII. Der Kyffhäuser in Thüringen.




Dies ist der Erinnerungsbilder eins aus jenen grünen Lenzmonden meines Lebens, auf die ich hinschaue, wie auf den Frieden eines heimlichen thüringer Thalgründchens, über das der blaue Himmel seinen Glanz gebreitet hat. Ein solcher Bilderkreis, froh, rein, unschuldig, ist eine heilige Mitgift für’s ganze Daseyn, und Jeder, der ihn hat, sollte öfters hineinschauen; er sollte der erquickende Morgenthau für jeden neuen Tag seyn.

Ich gedenke meiner ersten Wanderung zur alten Kaiserburg so lebhaft, als wäre sie gestern geschehen. Sie war der erste weitere Ausflug des Knaben, und sie erschien ihm größer, als dem alten Manne jetzt eine Reise auf den Aetna oder zu den Katarakten des Nils erscheinen würde. Das Herz klopfte mir, als ich auf der Höhe hinter Frankenhausen zum ersten Mal den Thurm des Barbarossa deutlich aus dem Grün seines Berggipfels emporragen sah, und seine Riesengestalt sich am blauen Himmel genau abzeichnete. Als ich das Rathfeld hinauf durch den hohen Eichwald trollte, da dünkte mich’s, ich ging’ in einem Bardenhaine, und das ernste feierliche Rauschen des Windes in den Wipfeln goß Schauer der Ehrfurcht in meine junge Seele.

Oben war Seligkeit! Es schwelgten die Gedanken, es waren meiner Phantasie die Flügel gelöst. Alle die alten Mauerbrocken und Reste eingesunkener Gewölbe setzte ich zu den Hallen und Thoren des stolzen Kaiserschlosses zusammen, und Friedrich, inmitten seiner Ritter, stand vor meinen Augen wie der Held eines Hünengeschlechts. Die Geister der Volkssage sah ich um jeden Stein tanzen, den Hauch der Legende jeden Dornstrauch umwehen, und neugierig kroch ich in jede Bergöffnung, welche wandernde Venetianer und Zigeuner, gierig nach vergrabenen Schätzen, gemacht hatten, um den unterirdischen Thronsaal zu erspähen, wo der verzauberte Kaiser sitzen soll, dem Rufe seines Volkes gewärtig, mittlerweile ihm der rothe Bart durch den Steintisch gewachsen ist. In jenen Tagen schleppte Deutschland am Joch des Korsen und die Zeit gab der Sage eine nähere Bedeutung. Das Jahr 13 kam und hat das Volk betrogen; das Jahr 48 ist dagewesen und hat den Zauber nicht gelöst. –