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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Die erste Erbauung der Kaiserpfalz auf dem Kyffhäuser reicht in die Zeiten, wo Geschichte und Tradition sich vermengen. Wir wissen nur mit Sicherheit, daß sie der große Hohenstaufen, der die Burg lieb hatte, beträchtlich erweiterte. Als die Schlacht am Welferholze die Macht Kaiser Heinrichs V. brach, fiel nach 3jähriger Belagerung die Veste in die Hand der rebellischen Reichsbeamten, und erst nach Wiederherstellung der kaiserlichen Macht und des Landfriedens durch Rudolf, den Habsburger, wurde sie wieder ein Reichslehen und als solches dem Grafen von Beichlingen-Rothenburg zur Obhut gegeben, aus dessen Hand sie später an’s Haus Schwarzburg kam. Dieses erbaute die einst berühmte Gnadenkapelle der Muttergottes, welche die Wallfahrerzüge anlockte, bis die Reformation denselben ein Ziel setzte. Die Burg, welche man nicht mehr der kostspieligen Ausbesserungen für werth achtete, verfiel von dieser Zeit an rasch, und jetzt ist nichts übrig von ihr, als niedriges Mauerwerk und das hohe Viereck des Barbarossathurms, den Epheu und Immergrün umschlungen haben.
Die Zinne des Thurms ist in unsern Tagen zugänglich gemacht worden, und sie lohnt ihrem Besucher durch einen unvergleichlichen Ausblick in das Thüringer Land, dessen Perle, die goldne Aue, mit ihren Klöstern, Flecken und Dörfern, unmittelbar zu seinen Füßen liegt. Köstlich ist der Sonnenuntergang von diesem Punkte an hellen Sommerabenden. So herrlich stirbt kein Held, als ich sie einst in den goldnen, unermeßlichen Fruchtfeldern, ihrer Segnungen Werk, entschlummern sah.
Es gibt ein Stückchen deutsche Erde, auf dem das Auge des Himmels liebend ruht, wie das einer Mutter auf ihrem Kinde. Da liegen die Wälder saugend an den Brüsten der Wolken, alle Thäler sind Auen, alle Höhen sind Obsthaine, Rebgelände schmücken die Gehänge und auf allen Berggipfeln ragen die grauen Zeugen vergangener Jahrhunderte und erzählen die Geschichten und Sagen des Landes. Gelobte Rheinpfalz! Wie ist so reich Dein Leben, so groß
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 201. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/209&oldid=- (Version vom 7.9.2025)