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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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gekostet, mich loszureißen und weiter zu gehen! Und nicht ich allein habe diesen Eindruck empfangen. Jeder wird ihn haben, der solcher Eindrücke und Empfindungen überhaupt fähig ist. Oft bin ich Zeuge gewesen, wie selbst rohe, in den Minen Kaliforniens verwilderte Goldjäger durch solche Scenen tief ergriffen wurden“.
Als im Jahre 1522 Gil Gonzalez de Avila mit den ersten Spaniern nach Nicaragua kam, stand auf der Stelle des heutigen Granada eine indianische Stadt, deren Name, Salteba, sich in dem der Vorstadt Jalteva bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Avila konnte sich auf diesem ersten Zuge, der von Panama aus unternommen wurde, nicht im Lande behaupten. Aber noch in dem nämlichen Jahre kehrten spanische Kolonisten zurück, und Francisco Fernandez de Cordova gründete das jetzige Granada.
Die Stadt hatte während der spanischen Herrschaft größere Wichtigkeit und einen bedeutenderen Handel, als gegenwärtig. Wie die meisten spanischen Niederlassungen, so ist auch Granada nach der Emancipation nicht im Stande gewesen, sich auf der Höhe zu erhalten, welche es unter der spanischen Kolonial-Regierung als Hauptstadt einer Provinz erlangt hatte. In neuester Zeit haben sich jedoch frische Keime der Wohlfahrt gebildet, und neue Impulse sind thätig geworden, die nicht ohne Erfolge bleiben werden. Die Lage an einer die beiden Oceane verbindenden Straße macht Granada wichtig für den Weltverkehr, und es sieht einer großen Zukunft entgegen. –
Die städtische Bevölkerung überstieg in den letzten Zeiten der spanischen Herrschaft 18,000; gegenwärtig ist sie nicht ganz 14,000. Als Hauptstadt des nicaraguensischen Ost-Departements ist sie der Sitz mehrer höheren Verwaltungs- und Gerichtsbehörden und eines Bischofs. Der Klerus war sonst sehr zahlreich und mächtig; seit der Revolution hat er einen großen Theil seiner Einkünfte und seines Einflusses verloren.
Die Bevölkerung besteht aus allen Abstufungen der Raçe, welche aus der Mischung von Spaniern, Indianern und Negern hervorging. Diese Raçenmischung schreitet, da seit der Unabhängigkeit alle Einwohner, ohne Rücksicht der Abstammung, vollkommen gleiche politische Rechte haben und auch im geselligen Leben die Raçenaristokratie gar nichts mehr gilt, beständig fort. Familien von reinem spanischem Blute sind nicht mehr vorhanden. Eben so wenig ist die reine Negerraçe noch irgendwo zu finden. Vollblut-Indianer hingegen sind zahlreich; sie halten fest zu einander und bilden häufig besondere Gemeinden im Lande. Alle sind Christen und der Civilisation längst zugänglich geworden. Am meisten gemischt ist die Bevölkerung der Vorstädte, wo alle Farben und Raçe-Physiognomien in einander fließen. Zur Marktzeit kann man diese bunten Volkselemente, zu der alle Zonen und Welttheile gesteuert haben, auf dem Platze übersehen, welchen unser Bild darstellt. Es ist ein Gemälde, wie man es selten findet, und für den Beobachter nicht ohne Interesse. Vor allen sind es wieder die halbcivilisirten Ureinwohner, welche der Scene Leben und Farbe geben. Mit Hühnern, Eiern, Früchten,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/215&oldid=- (Version vom 8.9.2025)