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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Es ist vielmehr eine beständige Wiederkehr von kleinen Landschaftsbildern, – meistens angebaute Thalstrecken mit Städtchen, Dörfern und Ansiedelungen, – die zum Urwald, der das Land bedeckt, nur wie Oasen in der Wüste sich verhalten. Bloß in den ältern Staaten des Ostens, wo die großen Mittelpunkte des Verkehrs und eine zweihundertjährige Kultur die Bevölkerung gedichtet haben, ist dies anders. Eine üble Gewohnheit der neuen Ansiedler ist es, daß sie innerhalb der gerodeten, dem Feldbau gewonnenen Stellen allen Baumwuchs vertilgen. Man kommt an 100 Farms vorüber, ehe man eine antrifft, wo ein schöner Stamm das Blockhaus beschattet, oder eine Baumgruppe neben einem Stückchen Rasen mit einer Bank der Familie zum Ausruhen oder zur Erholung dient. Nackt und kahl steht die Hütte des Pflanzers zwischen den dürren geringelten Stämmen, oder den hohen Stumpfen, welche die Säge und die Axt stehen gelassen haben. Selbst der deutsche Bauer, der sich von Kindesbein an des Laubdachs erfreute, das die Linde auf seinem Hofe, oder der Apfelbaum am Hause gaben, scheint in Amerika den Sinn dafür verloren zu haben. Was ist der Grund dieser Erscheinung? Doch kein anderer, als der allgemeine Mangel an Phantasie und Gemüth, der am amerikanischen Volkscharakter so sehr auffällt und in allen Dingen zur Erscheinung kommt. Ein Mensch ohne Phantasie genießt so wenig wie das Thier das Naturschöne, das sein leiblich Auge sieht. Nur das werden wir ganz genießen, was unser Geist der Natur andichtet, – unsere Freude an der Natur ist im Grunde mit der Phantasie für dieselbe Eins. Ohne sie gehen wir so gleichgültig durch blühende Paradiese, wie über beschattete Gräber. –
Der Starucca-Viadukt (190 Meilen von New-Uork, 270 Meilen von Dunkirk entfernt) überspannt mit 18 Bogen ein tiefes, von dem Staruccafluß durchströmtes Thal von 1200 Fuß Breite in einer Höhe von 120 Fuß. Dieser kolossale Bau, durchgängig aus großen Sandsteinquadern errichtet, ist eine Zierde der Erieeisenbahn. Er hat 320,000 Dollare gekostet und wurde in der kurzen Zeit von 36 Wochen errichtet.
„Beuge Dein Haupt, stolzer Sikambrier!“ sagte der Bischof, als er Klodwig, den König von Frankreich, taufte: – und so sagt die Kirche heute noch Jedem, der sie um einen Dienst von ihrer Hand anspricht. „Beuge dein Haupt!“ sagt sie am Taufstein und am Grabe, am Altar und von der Kanzel, und wehe dem Priester, der einen andern Spruch im Munde führt. Wäre er ein Bossuet oder ein Fenelon im Wissen, im Wandel und in
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 220. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/228&oldid=- (Version vom 11.9.2025)