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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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kann ein neues an dessen Stelle nicht erstehen; ohne Tod und Auflösung gäbe es keine Stoffe zu neuen Wesen; Welten selbst müssen vergehen, damit Welten werden. Allmächtig und ewig ist das Princip der Zerstörung und gegenwärtig in Allem, was Gott geschaffen hat; aber eben so allmächtig und ewig und allgegenwärtig ist das der Erhaltung. Kein Sonnenstäubchen im ganzen Universum gibt es, das ausgestoßen werden könnte aus dem Kreislauf des Lebens und, abgenutzt, entkräftet und verbraucht, bei Seite bliebe. Wenn nebelartige Massen im Weltraume sich zu Sonnen bilden, wenn Sterne aufhören zu seyn, oder wenn sie für unser Auge unsichtbar werden, oder ihre leuchtenden Kräfte verlieren, immer deutet es nur eine Veränderung zu neuer Gestaltung an. – Selbst Länge und Kürze der Zeiten verlieren ihren eigenthümlichen Werth, gehalten gegen die Ewigkeit. Wo ist der Maßstab? Zeit ist ein phantastisches Gedankenspiel, unserm irdischen Eintagsleben entnommen und auf Beobachtung gewisser Erscheinungen begründet, die wir zu fassen vermögen. In der geschaffenen Welt, in der Natur gibt es nur Entwickelung. Wenn die Sonne sich in Finsterniß taucht, oder im Ocean verschwindet, so verschwindet sie nur für uns; das Abendroth, mit dem sie für uns niedergeht, ruft in einer andern Hemisphäre, als Morgenroth, Leben, Bewegung, Freude hervor. – Wenn die Natur den festesten Eckstein allmählig in seine Elemente zersetzt und in seine Grundstoffe auflöst, so will sie nur diesen Stoffen das Recht der Entwickelung vindiciren, auch dafür sorgen, daß sie die Stufenleiter der Verwandlung zu höheren Organismen beschreiten.
Wir staunen über die Schnelligkeit der Zeit, und je älter wir werden, je schneller entfliehen uns Tage und Jahre und je mehr bekümmert uns die Kürze und Eiligkeit des Daseyns. Wir Thoren! Eine Stunde nennen wir lang, wenn sie uns keinen Genuß bietet, oder keine Arbeit sie würzt, oder Erwartung uns spannt; ist aber ein Jahr vorüber, oder ein Jahrzehnt, so klagen wir über die reißende Schnelligkeit seines Verschwindens. Wie können uns doch, nachdem uns die Jahrzehnte des eignen Erdenlebens so kurz geschienen, die Jahrhunderte und Jahrtausende so unendlich lange Zeiträume dünken und unser Erstaunen erwecken? „Unser allen Zeugnissen von der Macht oder der Eitelkeit des Menschen“, sagt Humphrey Davy, „sie mögen errichtet seyn, um seinen Namen ewig zu machen, oder sein Gebein zu verbergen, kennen wir kein einziges, dessen Dauer mit dem Maßstab von Hunderten von Generationen gemessen werden dürfte. Ist ein zweihundertjähriger Dorfkirchhof etwas Seltenes? Die Dauer dieses zweihundertjährigen Dorfkirchhofs aber zehnfach genommen, führt schon in das römische Weltreich zurück, und das Geburtsjahr unserer Urgroßväter hundertmal in die Vergangenheit gelegt, gibt einen Damm, der um tausende von Jahren älter ist als die Geschichte des Menschengeschlechts“. So sehr schwindet bei dem Vergleich die Länge der Zeit zusammen. Das Kolosseum in Rom, unter den Monumenten auf dem Erdkreise eines der größten, wurde von den Beherrschern der Welt erst vor 17 Jahrhunderten errichtet; heute sehen wir es als Ruine, nach 5 oder 10 Jahrhunderten wird es Staub seyn. Es wird eine Zeit kommen, wo auch Sankt Peters Dom, der Christenheit größtes Gotteshaus, seyn wird wie das Kolosseum, und wieder eine Zeit, wo der Staub vom Grabmal des Apostels
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 229. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/237&oldid=- (Version vom 11.9.2025)