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sich mit dem des goldnen Hauses des Nero mengt. Alles Menschenwerk und alle menschlichen Einrichtungen, selbst die herrlichsten und edelsten: die Lehrgebäude der Philosophen, die Verfassungen der Staaten, die Religionen selber – sind als Formen geistigen Schaffens dem allgemeinen Gesetz des Wechsels unterworfen: sie entstehen, blühen eine Zeit lang, sinken und vergehen. Aber weder die geistige noch die physische Natur läßt die Stoffe verderben; sie ist vielmehr unausgesetzt bemüht, um die an die Formen gefesselten Stoffe wieder zu befreien, wieder in den Strom des Lebens und zur weiteren Entwickelung zu bringen. Wollen wir immer, wie Kinder, in Hyperbeln reden? Wollen wir noch von der Beständigkeit menschlicher Einrichtungen faseln, oder der ewigen Dauer der Bauwerke in Theben, Memphis und Ellora? Wenn ihre Trümmer einige Jahrtausende länger widerstehen durch die gewaltige Masse, als die von Babylon, Ninive, Persepolis und Troja, deren Staub längst versammelt ist zum Sand der Wüste, so werden sie doch so sicher vergehen, als Tyrus und Karthago vergangen sind, deren Daseyn nur noch im gefärbten Sande des Strandes, in den bunten Geschieben, die von den Prachtgebäuden aus Marmor, Porphyr und Serpentin herrühren, die letzten schwachen Spuren zurückließ. Und doch pulsirt in der Jetztwelt keine gewaltigere Lebenskraft als in diesen Städten pulsirt hat, die zweimal gestorben sind und zweimal gelebt haben. Nicht London, nicht Paris, nicht New-York sind ihnen zu vergleichen.

Was der Erde entnommen ist, nimmt die Erde zurück: was der Mensch der Natur entzog, um es für seiner Hände Werk dauernd zu verwenden, ist die Natur beständig bestrebt, durch tausend Mittel und Kräfte im Wege der Zerstörung sich wieder anzueignen, und alle menschliche Kunst und Wissenschaft reicht nur hin, den Zeitpunkt der Veränderung etwas weiter hinauszurücken und den Auflösungsprozeß zu verlängern. Ist es ein beengender und niederbeugender Gedanke, alle die herrlichen Monumente der Kunst, die unser Stolz sind, unsere Bewunderung erregen und uns so hohe Freuden und Genüsse gewähren, nach kürzerer oder längerer Dauer dem Untergang geweiht zu wissen, so erhebt es im Gegentheil um so mehr, sich der Fähigkeit bewußt zu seyn, Unvergängliches zu schaffen im Reiche des Geistes und sich ein Wirken zu bereiten, das durch die Ewigkeit geht. Was ist flüchtiger, als ein Gedanke? was ist vergänglicher, als ein Hauch, ein Laut? Und doch werden die Gesänge Davids, die Lieder, in denen Israels Volk an „Wasserflüssen Babylons“ sein Weh seinem Jehova klagte, noch heute und so lange Menschen auf Erden wohnen, Trost und Freudigkeit in die Herzen gießen und zu hohen Thaten begeistern. Ihr Wirken dauert ungeschwächt fort, während Babel in Schutt begraben liegt und auf Zion längst ein anderer Glaube und ein anderes Volk seinen Tempel gebaut hat. Wo sind sie, die Mausoleen der Besieger Troja’s? Was ist aus ihren Heldengeschlechtern geworden und was aus ihren Reichen? Aber das Heldengedicht Homer’s lebt in jugendlicher Kraft und Schönheit für alle Zeiten fort. Wenn die Ziege weiden wird auf den Schutthügeln Londons; wenn in den Hallen des Berliner Königschlosses das Käutzchen die Stunden der Nacht abrufen wird; wenn die Siegesbilder auf der Vendômesäule ausgebrochen in den Museen zu schauen seyn werden; wenn die Archäologen über die einstige Lage des