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Vatikans Streitschriften wechseln: dann werden Shakspeare’s und Schiller’s, Byron’s und Göthe’s Werke noch jedes Bücherbret zieren, werden die Gesänge Tasso’s, Dante’s und Beranger’s, die Töne Haydn’s, Beethoven’s und Mozart’s noch alle Herzen erwärmen, und um die Büsten Newton’s, Kepler’s, Copernikus’, Herschel’s, Franklin’s, Davy’s und Faraday’s, Humboldt’s, Ritter’s, Berzelius’ und Liebig’s, Arago’s und Lavoisier’s, um die Standbilder von Washington, Luther und Huß und so viel hundert anderer Heroen im Reiche des Gedankens und der Wissenschaft wird eine verehrende dankbare Nachwelt noch frische Kränze legen.

Möge der Staub der Weisen und Guten, der Blutzeugen Gottes und der ewigen Wahrheit, der Märtyrer der Freiheit und der unveräußerlichen Menschenrechte, – verwehen; mögen die Opfer für ihres Vaterlandes Größe und ihres Volkes Ehre unter dem Gezänk der Parteien in der Erde kühlen Schooß sinken: die Enkel feiern sie in unsterblichen Gesängen, und in ihren zur Nacheiferung mahnenden und erweckenden Thaten leben sie für ihre heiligen Zwecke beständig fort. Wie manches Grab erinnert an das Wort des Propheten: „Dem Verworfenen wird mehr Ehre werden, denn dem Könige, dessen Schwert die Menschen mäht, wie die Sichel das grüne Gras.“

So wollen wir uns denn nicht kümmern um die Vergänglichkeit des Kleids, das unsern ewigen Geist umhüllt! – So wenig wie wir unserm eigenen Körper eine unbegrenzte Dauer wünschen können (hätten wir auch das Erdenleben noch so lieb!), so wenig würde eine solche den Werken von Menschenhand zu wünschen seyn im Interesse der allgemeinen Entwickelung und des Fortschritts des Geschlechts zu höherer Vollkommenheit. Der Verfall der Kunstwerke und Monumente, die Vergänglichkeit aller, auch der weisesten Einrichtungen, bewahrt uns davor, bei den alten Ideen stehen zu bleiben. Was von den kostbarsten und höchsten Werken der Kunst aus der Verlassenschaft des Alterthums herüber gerettet ist in die Gegenwart, ist für den Zweck geistiger Anregung genügend; wir erfrischen unsern Geist und bilden unsern Kunstsinn an diesen Meisterstücken, ohne daß sie uns Raum und Veranlassung entziehen, Neues zu erfinden und Anderes, Zeitgemäßeres zu schaffen. Auch das Allerherrlichste ist ohne Ausnahme mit dem Stempel seiner Zeit bezeichnet; und offenbar hat sich gar manches bewunderte Denkmal schon zu lange erhalten für den Fortschritt, und wir müssen bei aller Verehrung dennoch bekennen: es hat sich längst überlebt.

Darum noch Einmal: jede Betrachtung über die eherne Gewalt und Macht der ewigen Gesetze der Zerstörung und Erhaltung im Reiche Gottes führt zur Zufriedenheit, und was in seinen äußern Erscheinungen dem Gedankenlosen zuweilen so trostlos vorkommt, wird, näher besehen, allemal zur Quelle des Trostes und der Erhebung. Wir Menschen, ebenbürtige Bürger dieser Schöpfung, und ewig wie sie selber, können der Natur nur gebieten, indem wir ihren Gesetzen gehorchen. Dies gilt nicht bloß von der Materie; auch unser geistiges Schaffen, Wirken, Denken und Streben ist diesen Gesetzen Unterthan. Der Staatsmann, der politische Institutionen aufrichtet, welche dem Rückschritt statt dem Fortschritt huldigen; der Denker, der philosophische Lehrgebäude aufstellt,