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des Schauplatzes eine treue Darstellung gebe. Daß der Maler Reste der alten Pracht theils vermauert, theils in unbeachteten Winkeln auffand, war zwar keine neue Entdeckung; denn ich erinnere mich, auf meinen häufigen Wartburgwanderungen in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts bei den damaligen Ausbesserungen des Schlosses zierliches Simswerk, Säulchen und Fragmente von Skulpturen im Schutte gesehen zu haben und daß wir Buben einmal einen Haufen alter Bildwerke und Ornamente in einem Winkel ergatterten, von dem wir, was uns eben gefiel, abschlugen und als Wartburgangedenken mit nach Hause nahmen. – Jener Maler berichtete dem Fürsten über die Möglichkeit, manches Schöne am alten Bau wieder herzustellen und in Folge Dessen wurde vom Prinzen eine Kommission hergesendet, die Restaurationsentwürfe einer nähern Prüfung zu unterziehen. Zunächst empfahlen die Architekten eine Halle im byzantinischen Styl, mit verzierten Rundbogenfenstern, von schmucken Säulchen getragen, durch Entfernung des Mauerwerks, das letztere verhüllte, und der kleinen Fenster, die der Vandalismus späterer Zeiten an die Stelle der Arkaden angebracht hatte, herzustellen. Während dieser Arbeit fand man noch andere Säulenreste, Austritte zu Altanen, Ornamente von guter und zarter Arbeit, Vieles dem Besten am Rhein und in Italien zu vergleichen. Manches war nur durch Backsteinverkleidung oder Tünche verhüllt, oder dem Auge entzogen worden. Der Fürst, durch die Berichte über diese Funde erregt, kam selbst mehrmals zum alten Fürstensitz, ordnete an, befeuerte den Eifer zur weitern Prüfung, und auf der Basis der gewonnenen Resultate wurde endlich der Plan zu einer Restauration gelegt, die des Gegenstandes ganz würdig sey. Die Aufgabe war eine höhere als die bloße Herstellung eines alten Raubritternests, wie sie jetzt von Fürsten und Junkern als Mode-Spielerei, oder um ihre Sympathie mit den Zeiten des Faustrechts offenkundig zu machen, häufig vorgenommen wird. Es galt, ein Bauwerk in seiner ursprünglichen Form herzustellen, an das, als Monument der Kulturgeschichte, sich das Interesse und die Verehrung aller Zeiten knüpft, – die Burg, wo deutsches Fürstenthum in edlen Vorbildern glänzte, wo deutsche Poesie und Gesittung ihre frühesten Feste und Triumphe feierte, das Haus, wo der große Apostel des gereinigten Glaubens die rettende Freistätte fand, den Ort, von dem aus Luther das Buch der Bücher, die Urkunde des Christenthums, gesäubert von Fälschungen und Irrdeutungen, dem deutschen Volke in seiner Sprache hingegeben und Allen verständlich und zugänglich gemacht hat. Die Wartburg ist recht eigentlich der Freiheit und Gesittung „feste Burg“ und deshalb knüpft sich an sie die Theilnahme der ganzen gebildeten Welt. Gefeiert in Balladen und Gedichten lebt sie fort im Gedächtniß der Jahrtausende, wie die Säulenhäuser auf der Acropolis Athens, wie die Monumente auf dem kapitolinischen Hügel, wie des Jordans heilige Stätten. Ihre ursprüngliche Form zu bewahren und der Nachwelt zu erhalten ist, folglich ein patriotischer und auch humaner Gedanke, und er verdient den Dank Aller, die am Schönen und Guten ein menschliches Interesse haben.