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Der Großherzog hat die Restauration der Burg einem geschickten Architekten anvertraut, der, für seine Aufgabe begeistert, sie gleichsam zu seinem Lebenszweck macht. Es ist viel geschehen diese Jahre her, aber noch viel mehr ist zu thun übrig. Herstellung des Alten ganz so, wie es war, ist die Aufgabe, und eine gewissenhafte Lösung derselben kann keine Eile vertragen. –

Wenn die Dichter Recht hatten, die Wartburg einen Tempel des deutschen Volks zu nennen – so ist die Luther-Zelle ihr Sanktuarium. Sie ist in einem abgelegenen Theile der Gebäude versteckt. Der Kastellan führt uns durch ein enges, tiefes Eingangsportal zu einem schmalen Treppenhaus, dessen hölzernes, verziertes Balkenwerk ein hohes Alter verräth. Eine massive Thür von Eichenholz, mit großen, schweren Bändern, die sich über die Thürfläche verzweigen, stößt auf einen kleinen Vorplatz. Der Führer ergreift aus seinem Bündel einen der schwersten Schlüssel; knarrend bewegen sich die Schließhaken, die Thüre wird geöffnet, und wir stehen auf der nämlichen Schwelle, die der Mann Gottes ein ganzes Jahr lang täglich überschritten hat. Hier wohnte Luther im Jahre 1521 unter dem Namen Ritter Görg, – ein freiwilliger Gefangener. In dieser Zelle fertigte er das Riesenwerk seiner Gelehrsamkeit und seines Fleißes, die Bibelübersetzung, und während er verschollen schien, während die Hierarchie dem Volke die Lüge aufheftete, der Teufel habe den Ketzer lebendig zur Hölle geholt: – da schmiedete Luther in seiner Wartburgklause ruhig die Waffe, mit der er Rom besiegte.

Die Lutherzelle ist noch ganz so, als zur Zeit, da sie Luther bewohnte. Es ist eine mäßig große Stube mit 2 breiten, fast viereckigen Fenstern, deren kleine, in Blei gefaßte runde Scheibchen durch das Alter meist erblindeten. Die inneren Wände sind von der Decke bis zum Boden mit dicken Bohlen beschlagen, und der kindische, oder eitle Sinn vieler der Besucher hat auf denselben seit drei Jahrhunderten unbekannte Namen in Menge eingeschnitten. An der Wand, zur Seite der Thür, ragt ein Kachelofen, wie dergleichen noch da und dort in Thüringen auf dem Walde anzutreffen sind, dessen Feuerraum groß und weit genug ist, um einen mäßigen Baumstamm ungespalten aufzunehmen. – An der Wand, neben dem Ofen, ist der bekannte Tintenklecks zu schauen, der unsern Luther schärfer und treuer zeichnet, als tausend Federn, welche sein Leben schilderten. Die Legende von dem Klecks hat, wie alle Legenden, ihre Varianten; die anmuthigste ist wohl folgende: „Als Luther einst bei trübem Lampenschein noch spät nach Mitternacht über die richtige Deutung einer schwierigen Bibelstelle nachsann, – da erschien plötzlich Satanas, Doktorhut und Schwanz zierlich neben einander im Arme tragend, vor seinem Schreibtisch. Er sprach : „„Doktor Martin: – was sinnst du und zerbrichst dir den Kopf? – mir ist das ein Leichtes; schreib’, ich will dir’s diktiren““. Doktor Martin sah auf, räusperte sich, als ob er was sagen wollte; aber ehe sich’s jener versah, faßte er das schwere Tintenfaß und schmiß es dem Versucher an den Kopf. Der Teufel verschwand mit großem Gestank, und er ist nie wieder gekommen“. – Luther gebrauchte die rechte Waffe. Tinte und Druckerschwärze