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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Schleppträger der Tyrannei jene diabolische Doktrin als ewige Weisheit gepriesen werden, – sie kehrt die Ordnung der Natur doch nicht um, und wenn ihr Tag vergangen ist, wird sie an ihrer eignen Narrheit zu Schanden. –
„Weimar ist eigentlich ein Park, in welchem eine Stadt liegt“. – Wirklich ist die Naturumgebung, die Landschaft, bei ihrer Größe, Mannichfaltigkeit und Schönheit das Vorherrschende im Bilde Weimars und selbst bis in die Mitte der Stadt säuseln und rauschen noch die Baumwipfel, spielen die Blätter und Blüthen am Ufer des Flüßchens und klettert rankendes Gesträuch an den Schleußen und Radstuben der Mühlen hinan. Der großherzogliche Park, Göthe’s und Karl Augusts Schöpfung, beginnt an der Südseite des Schlosses und dehnt sich in weitem Bogen um die Hälfte der Stadt. Keine Mauer umschließt, kein Gitter umhegt die herrliche Anlage und läßt eine Scheidewand zwischen dem fürstlichen Besitzer und dem Volke, zwischen Park und Stadt erkennen. Feld und Wald, öffentliche Spaziergänge und Privatgärten, Straßen, Alleen, freie Plätze und Wiesengründe fließen überall in einander und das Gefühl unbegrenzter Freiheit wird durch keine Schranke beeinträchtigt. Dies eben macht die Umgebung Weimars so genußreich.
Von dem Parksaum führt eine mit Bäumen bepflanzte Kunststraße eine Landhöhe hinan nach Belvedere, dem schönen Sommeraufenthalte der fürstlichen Familie. Großartige Anlagen gruppiren sich um das Schloß und in reizvoller Abwechselung öffnen sich von den verschiedensten Punkten, über das Laubgewölbe hochstämmiger Buchen und Ulmen weg, nach jeder Seite Fernsichten in die Gefilde und Wälder Thüringens. Durch das Thal der Ilm und die blumenreichen Wiesen von Oberweimar knüpft sich der Park von Belvedere an die nähere Umgebung der Stadt, wo vielfach geschlungene Pfade zwischen Gärten und Baumpflanzungen zu mancherlei Ruhepunkten, einer schmucklosen Bank von Holz oder Stein, oder zu einer murmelnden Quelle, oder in eine Felsgrotte, oder zu einem Denksteine führen, geziert mit dem Bilde eines großen Mannes, oder zu einer Tafel, die an eine wichtige Begebenheit erinnert. An jeder Bank, an jedem Pfad und Steg haftet die Weihe von großen und edlen Menschen, welche einst auf ihnen ruhten oder wandelten, das Andenken an die Heroen und Propheten des Menschenthums, an jene Geisteskönige, welche ein kluger und genialer Fürst, der auch für seinen eigenen Ruhm bedacht war, in Weimar versammelt hatte. Viele Oertlichkeiten führen ihre Namen, und manche, z. B. das Borkenhäuschen am Ilmufer, rufen die Tage lebhaft in’s Gedächtniß, wo Göthe, Schiller, Herder und Wieland genußreiche Stunden im Kreise ihres fürstlichen Freundes verlebten. Schade, daß die Pietät, die für ihre Erhaltung sorgt, doch nicht immer zart genug fühlt, um sie auch vor einer unangemessenen Bestimmung zu schützen. Jene Hütte von Baumrinde, deren enger Raum dem Großherzoge Karl August Jahre lang zur Sommerszeit als Wohn- und Arbeitszimmer, Schlafgemach, Empfang- und Speisesaal genügte, und wo er im Kreise seiner Auserwählten so oft noch um Mitternacht durch Sang und Becherklang das Weimarische Spießbürgerthum entsetzte,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 253. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/261&oldid=- (Version vom 13.9.2025)