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Grabgewölbes, das der Name „Schiller“ geheiligt hat. Es ist das „Cassengewölbe“, dasselbe, in welches man in jener düstern Mainacht Schillers Sarg senkte. Jetzt haben seine Gebeine in der „Fürstengruft“ eine Stätte gefunden, an der Seite Göthe’s, des Ebenbürtigen und in der Nähe Karl August’s. Die Versetzung war eine schwere Aufgabe; denn als man die Gruft öffnete, fand man Schillers Sarg mit dreizehn andern zusammengebrochen, und die Gebeine Aller lagen durcheinander, – ein wüstes, grauses Chaos. Sie wurden korbweise in die Anatomie getragen, um sie unter dem Beistand eines von Jena berufenen berühmten Anatomen zu sondern. – Schillers Schädel, dessen herrlicher Bau schon im Leben so bewundert worden, war leicht zu erkennen, und als dennoch der Zweifel die Möglichkeit einer Verwechselung geltend zu machen suchte, wurde der alte Diener Schillers von Jena herübergeholt, um wegen besonderer Merkmale Auskunft zu geben: – „Schillers Schädel“, sagte er, „muß noch alle Zähne haben, bis auf den einen Backenzahn, den er sich ausziehen ließ“ – und es traf zu. Es wurde dann Knochen an Knochen gepaßt, bis nach unendlicher Mühe das ganze Gerippe zusammengefügt war. Ein einziger Armknochen fehlte. Dieser, nirgends aufzufinden, war wahrscheinlich bei dem Hertragen so vieler Gebeine unterwegs verloren worden. In einen neuen Sarg verschlossen, wurde das Gerippe sodann „standesgemäß“ – die Gebeine eines Fürsten der Geister in ein fürstlich Begräbniß – beigesetzt.

Göthe hat die ganze Schmerzensempfindung über das Unwürdige in Schillers Geschick in die mahnenden Worte gefaßt:

„Drum feiert ihn! Denn was dem Mann das Leben
Nur halb ertheilt, soll ganz die Nachwelt geben“.

Mit dem Besuche des geweihten Orts, welcher die Sarkophage der beiden Dioskuren, Schiller und Göthe, gegenwärtig umschließt, wollen wir unsere heutige Pilgerfahrt beendigen.

Die Fürstengruft befindet sich auf dem neuen Friedhofe, der einem wohlerhaltenen Garten gleicht, wo die liebende Sorgfalt ihre Todten unter Grün und Blumen bettet. Den schönen Namen „Gottesgarten“ verdient er mit Recht. Da ist kein Grabhügel vernachlässigt oder verwildert, fast alle prangen im reichsten Blumenschmuck, und wohlgehaltener Baumwuchs und blühende, duftende Gesträuche fassen die breiten Wandelgänge ein, welche ihn in allen Richtungen durchschneiden. Die Erbbegräbnisse der Reichen und Vornehmen sind nicht durch Mauern eingeschlossene, bedeckte, moderhauchende Gebäude; es sind öffne, leicht oder gar nicht eingefriedigte Plätzchen und jedes stellt sich als ein Blumengärtchen dar, das die Hand der Angehörigen gepflanzt und gepflegt