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hat. Alles ist bescheiden und einfach. Prachtgräber des Stolzes und der Hoffart sind hier nicht zu finden. So sollte es überall seyn; denn der Tod macht ja Alle frei und – gleich.

Am höchsten Punkte des Friedhofs, in seiner Mitte, erhebt sich auf einem mit Stufen umgebenen Sockel ein kleiner offener Tempel, dessen vorspringendes Dach auf Säulen ruht. Der Raum ist ohne allen Schmuck, frei von Farbe und Ornamenten, „als sollten Auge und Sinn der Eintretenden durch Nichts abgezogen werden von Dem, um dessen willen sie gekommen“. Eine umgitterte runde Oeffnung in der Mitte reicht in die Tiefe. Für den Besucher führt eine steinerne Wendeltreppe durch eine seitwärts angebrachte und verschließbare Pforte hinunter. Ein Küster ist der Pfortenhüter und gibt uns das Geleit. Mit der letzten Stufe stehen wir vor zwei Sarkophagen. Sie sind einander gleich; die Form ist antik, der Stoff Eichenholz; sonst Alles schlicht und schmucklos. Auf den Deckeln sind Metallplatten eingelassen, und aus frischen Lorbeerkränzen, die immer erneuert werden, sprechen goldne Lettern die Namen aus: „Schiller“ – „Göthe“. Der Küster vertheilt bereitwillig die Blätter der Kränze an Alle, welche nach Reliquien verlangen.

Etwas tiefer im Gewölbe steht der Sarkophag ihres fürstlichen Freundes, Karl August’s. Dieser ist von Erz, reich verziert; den regierenden Herrn verkündigend. Gewinde von Eichen und Lorbeer, Schwert und Wage, schmücken in kunstreicher, getriebener Arbeit den Sarg des Mannes, dessen Andenken so lange dauern wird, als die Namen Derer genannt werden, die ihm zur Seite ruhen.

Schillers Aufnahme in die Fürstengruft geschah am 9. November 1827. Fünf Jähre später folgte Göthe’s sterbliche Hülle dem großen Freunde unter feierlichem Geleite nach.

„Und als der Chor noch fortklang, stieg der Sarg
Mit sammt dem Boden, der ihn trug, allmählig
Versinkend in die Unterwelt hinab;
Das Grabtuch aber überschleierte
Weit ausgebreitet die verborgne Mündung,
Und auf der Erde blieb der ird’sche Schmuck
Zurück, dem Niederfahrenden nicht folgend“.[1]



  1. Schillers „Braut von Messina“.