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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Pest, der „schwarze Tod“, rieb zu Anfang des fünfzehnten die Bevölkerung vollends auf. Nichts blieb zurück als die schwachen Stämme der Eingeborenen, bei welchen sich Kultur und Christenthum allmählig verloren.
Ewiges Eis umlagert seitdem die Ostküste Grönlands und die westliche, auch nur im Sommer zugänglich, wurde kaum noch von einzelnen Wallfischfängern besucht, die zuweilen landeten, um Robben zu schlagen. Das Land selbst gerieth in Vergessenheit. Nur die dänische Geistlichkeit hielt noch die Erinnerung an dasselbe dadurch aufrecht, daß sie einem ihrer Würdenträger von Zeit zu Zeit den Titel „Bischof von Grönland“ verlieh.
Erst 1721, als die Entdeckung der Briten in den nordwestlichen Meeren wieder die Aufmerksamkeit auf jene fernen Gegenden richtete, und als England Miene machte, eine Fischereistation auf der Südspitze Grönlands zu gründen, konnte sich die dänische Regierung, auf Egede’s Anregung, entschließen, einen neuen Colonisationsversuch zu machen. Sie sandte 2 Schiffe mit Auswanderern hin, begleitet von mehreren Missionairen, um die verwilderten Grönländer in den Schooß der Kirche zurück zu führen. Egede, ein würdiger und eifriger Priester, leitete die Unternehmung und seiner Beharrlichkeit und seinem Eifer lohnte ein guter Erfolg. Egede wurde der neue Apostel der Grönländer und die von ihm gegründeten Niederlassungen erlangten Bestand. Grönland erscheint fortan wieder in der Geschichte.
Das heutige Grönland ist aber nicht mehr das „grüne Land“ vor tausend Jahren. Zu Neunzehntel seiner ganzen Küstenerstreckung ist es das Jahr hindurch von starren Eisbergen umlagert; nur einige Buchten im Westen sind für ein Paar Monate offen. Das Innere des weiten Landes, dessen Flächengröße die Deutschlands um das Dreifache übersteigt, ist mit hohen Gebirgszügen bedeckt, auf welchen Tod und Erstarrung wohnen. Auch zu den noch offenen westlichen Buchten senken sich ungeheure Gletscher nieder, und wo vor tausend Jahren zahlreiche Heerden auf grüner Alpe weideten, liegt ewiger Schnee. Manche der Berge im Innern sind so hoch, daß sie aus einer Entfernung von 20 Meilen gesehen werden können. Sie sind noch nicht gemessen und bleiben wohl für immer der menschlichen Forschung verborgen. Im Sommer bekleiden sich die sonnigsten Felswände und Anhöhen mit Moos und Flechten und in den allergeschütztesten Buchten, wo die Colonisten ihre Wohnungen errichtet haben, zeigt sich das höhere Pflanzenleben in einigen Zwergbirken, Kräutern und beertragenden Stauden. Ackerbau findet im ganzen Lande keine Stätte; in kleinen Gärtchen baut der Colonist Kresse und Rettig, die er auch im Hochsommer des Nachts durch Mattenbedeckung vor den Frösten schützen muß. Im zwölften Jahrhundert wurde noch bis zum 70. Breitengrade Gerste gebaut; aber das ist schon lange nicht mehr möglich. Die Colonisten nähren sich vom Bären-, Robben- und Wallfischfang, für deren Ertrag sie sich Mehl, geistige Getränke und die übrigen Bedürfnisse des Lebens kaufen. Milch und Fleisch geben ihnen die Rennthierheerden, welche in den geschützten
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 265. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/273&oldid=- (Version vom 13.9.2025)