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Jena und Weimar. – Wenn ich ein Kaiser wäre, so müßtet ihr strahlen von den goldnen Kuppeln der Säulenhäuser, und prangen mit Malen des Ruhms, gegen welche alle Denkwerke Indiens und Griechenlands, am Nil und an der Tiber zusammensänken, wie unsere Thüringer Berge vor den Alpen. Ich würde nicht wägen und markten: denn die Größten sind des Größten werth. In dieser selbstsüchtigen Zeit ist freilich für solche Werke nichts zu hoffen. Aber ein Tag wird kommen, wo die Nation thut, was ihre Väter zu thun unterlassen haben.


Der Saalstrom hat seine Rinne in das Sandsteinplateau eingeschnitten, welches vom Thüringer Waldrücken aus nordwärts in das tiefere Land hineinragt. Hüben wie drüben haben Flüßchen und Bäche ihr Bette gewühlt und bilden bald schmale, bald breiter auslaufende Gründe, welche in das Hauptthal münden. Die in solcher Weise von drei Seiten ausgekerbten Ränder der Hochebene stellen sich als die Berge des Saalthals dar. In der Umgebung von Jena fallen sie steil gegen den Strom ab und haben sehr malerische Formen. Ihre landschaftliche Schönheit wird erhöht durch den Schmuck der Kultur, durch Rebgelände und Obsthaine, durch freundliche Gartenhäuser und altergraue Trümmer von Burgen.

Von einem jener Berge, dem Hain- oder Galgenberge, ist der Anblick Jena’s, seines Thals und seiner Höhenzüge am schönsten. Dorthin richtete Schiller an schönen Abenden häufig seinen Spaziergang; und allein oder mit Göthe sah man ihn zuweilen auf einem Stein sitzen, – auf dem, wie die Sage geht, vor Alters die armen Sünder ausruheten, ehe sie die Leiter betraten, die Keiner wieder hinabstieg.

Die Stadt nimmt sich, von fern betrachtet, recht ansehnlich aus mit ihren Thürmen und die Jenenser Chronisten erzählen, daß, als Karl V. in die Gegend kam, ihm der Ausdruck entschlüpfte: „Jena liegt ja da wie ein kleines Florenz“. Näher besehen rechtfertigt es diese Vorstellung freilich nicht. Jedem Besucher wird es beim ersten Blick bemerklich, daß der Ort seit mehren Jahrzehnten im Sinken ist. Jena ist in der That mit seinen winklichen, von hohen, öfters baufälligen Häusern eingeschlossenen Gassen einer alten, herabgekommenen Landstadt so gleich, wie ein Ei dem andern. Spuren von Neubau sind nirgends zu sehen und mancher verschlossene Laden zeugt von dem Verkümmern des Erwerbs und Verkehrs. Die meisten Häuser sind für Studentenwohnungen eingerichtet, und wenn man bedenkt, daß vor sechzig Jahren die Universität 1700 Besucher zählte, und unter diesen fast 1100 meist reiche Ausländer waren, während ihre Frequenz seit den letzten Jahrzehnten niemals 500 erreicht hat, so kann man sich die Abnahme des bürgerlichen Wohlstandes bei der Menge der leerstehenden Wohnungen, dem Sinken der Miethen und dem Versiegen sonstiger Nahrungsquellen wohl erklären. Auf den Charakter der