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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Bewohner haben aber diese Verhältnisse nicht nachteilig gewirkt. Die Jenenser sind noch der lebensfrohe, anmuthige Menschenschlag, und ein gebildeter, guter Ton ist selbst den mittlern und bürgerlichen Schichten eigen. Reinlichkeit im Hause und in den Straßen ist ein alter Ruhm Jena’s. Die Zeiten sind vorüber, wo der zügellose Studentenadel Kurlands, Ungarns und Mecklenburgs den Ton angab; das damalige, wegen seiner Rohheit verrufene Jenenser Studentenleben hat der Sitte und Anständigkeit im Benehmen der Musensöhne Platz gemacht, ohne doch die Erscheinungen einer harmlosen, lebensfrischen Romantik ganz zu verdrängen, die den Jünglingen, wenn sie nicht mit anmaßlicher Renommisterei und widerlichem Cynismus in Worten und Werken verbunden ist, jedenfalls besser zu Gesicht steht, als das kopfhängerische Frommthun, das jetzt auf so vielen deutschen Hochschulen auffällt und den Beobachter mit Ekel und Bedauern erfüllt. Möge Jena sein heiteres Studentenleben sich bewahren, zugleich mit jener Achtung auch vor den äußeren Formen der Bildung, die jungen Männern ziemt, aus deren Kreise die Richter, Lehrer, Prediger und Staatsmänner des Volks hervorgehen sollen. – Die Universität, – Jena’s Leben und Jena’s Stolz, – ist zu allen Zeiten ein Hort der deutschen Gelehrsamkeit und am Firmament der Humanität und Wissenschaft ein strahlendes Sternbild gewesen. Eine längere Reihe von glänzenden Namen hat keine deutsche Universität aufzuweisen, als das kleine Jena, und zu den Geisterschlachten hat es seit Jahrhunderten allezeit ein tapferes Kontingent gestellt. Bis in die Gegenwart herab ist es der Universität möglich geworden, eine rühmliche Stellung zu behaupten, und wer daran zweifeln könnte, dem dürfte man bloß die Namen: Schiller, A. v. Humboldt, Fichte, Schelling, Hegel, Voß, Reinhold, Griesbach, Schlegel und viele andere in’s Gedächtniß zurückrufen, welche Zierden der Jenenser Lehrstühle in den letzten 60 Jahren waren. Dennoch ist nicht zu leugnen, daß die Dürftigkeit der äußeren Mittel, gegenüber den Ansprüchen, welche unsere Tage an eine Hochschule der Wissenschaften machen, die Möglichkeit mehr und mehr in Frage stellt, ihr Ansehen ungeschmälert fort zu erhalten und gegen die reicher dotirten Schwestern nicht zurückzustehen. Jena’s Flor ist, trotz der berühmten Männer, die heute noch sein Stolz sind, in Abnahme begriffen. Nur eine sorgfältige Pflege von Seiten der Regierungen, deren Patronat die Universität unterworfen ist, und die Bewilligung bedeutend größerer Geldunterstützung kann sie vor weiterem Verfall bewahren. Es wäre eine schöne Aufgabe der jetztlebenden, meistens jungen sächsischen Herzöge, den Ruhm ihres Jena zu erneuern, der Hochschule das Feld großartiger geistiger Wirksamkeit nach allen Seiten hin zu öffnen, die Schranken niederzuwerfen, die sie beengen, und die verwachsenen Pfade zu reinigen oder wieder gangbar zu machen. Die Tempel der Gelehrsamkeit bedürfen der beständigen Pflege und ihre Opfer-Priester des erwärmenden und belebenden Feuers. Auch die Feldzüge, Eroberungen, Entdeckungen im Reiche der Wissenschaften verlangen Zustände, Verhältnisse, Vorbereitungen und Anstalten, die Geld, und öfters viel Geld kosten. Die Misère der kleinen Universitäten in Deutschland ist, daß sie arm sind und ihre
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 273. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/281&oldid=- (Version vom 14.9.2025)