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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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Dotation in der Regel so spärlich und knapp bemessen ist, daß sie nicht selten darauf verzichten müssen, an den wissenschaftlichen Wettläufen Theil zu nehmen, die den Siegern Preis und Ehre bringen. Die Beschränktheit der Mittel läßt die Anschaffung mancher Apparate und Hülfsmittel gar nicht zu, welche manche Disciplinen zu ihrem Fortschreiten nicht entbehren können. Dieser Umstand, verbunden mit der Kärglichkeit der Besoldungen, hat zur Folge, daß die Professur von dem hervorragenden Talente gar oft nur als Staffel zum Erklimmen einer andern Stellung, oder als ein Warteposten betrachtet wird, von dem es scheidet, sobald der Ruf an eine besser dotirte Anstalt aus der Ferne ertönt. Die Mittelmäßigkeiten bleiben, die Berühmtheiten gehen; – ein Umstand, der dem Charakter des Lehrerstandes an kleinen Universitäten auch nicht günstig seyn kann, da sich mit der Mittelmäßigkeit leicht das Gefühl der Abhängigkeit verknüpft und dieses nur zu häufig der Festigkeit des Charakters und männlicher Gesinnung Eintrag thut. Man denke sich Jena ausgerüstet mit größern Geldmitteln und in diesem Jena einen festgeschlossenen Kreis von Männern wie Oken, Schleiden etc. unter dem Schirm freier Gesetze und unter dem zuverlässigen Schutze von Fürsten, wie Karl August einer war, und frage sich, wie lange es dauern würde, die glanzvollen Zeiten zurückzuführen, da 1800 Jünglinge, deutsche und fremde, sich um seine Lehrstühle drängten und die Universität auf den Namen „Saal-Athen“ stolz seyn konnte. Gerade jetzt wäre es die Zeit. – Bevormundung und Knechtung der Lehr- und Hörfreiheit verleidet manchem berühmten Lehrer eben so sehr wie der studirenden Jugend das Leben auf vielen größern Hochschulen und das Gift einer geheimen Regierung in jesuitischem Geiste richtet auf manchen Geister und Wissenschaft zu Grunde. Gegen solches Gift wäre kein Mittel wirksamer, als die liberale Ausstattung einer kleinen Universität wie Jena mit allen Mitteln zur Berufung berühmter Lehrer und zur Anschaffung der umfassendsten wissenschaftlichen Apparate, unter der offiziellen Erklärung, daß sie der Freiheit der Wissenschaft und der Lehre ein unantastbares Asyl sey. Oder ist der Geist ohne Erbe, der einen Oken auf das Katheder berief, und Schillern einen Lehrstuhl gab, – Schillern, der auf die Frage: Was glaubst du? antwortete.
„Welche Religion ich bekenne? Keine von Allen,
Die du mir nennst. Und warum keine? – Aus Religion“. –
Schillern, der bekannt hat, daß er den Abfall der Niederlande nur deshalb schrieb, weil ihn „der Anblick einer Begebenheit, wo die bedrängte Menschheit um ihre edelsten Rechte ringt, wo die Hülfsmittel entschlossener Verzweiflung über die furchtbaren Künste der Tyrannei im ungleichen Kampfe siegen“, begeistert habe; – der als Professor die kühnen Worte drucken ließ: „Die Kraft, mit der das niederländische Volk handelte, ist unter uns nicht verschwunden; der glückliche Erfolg, der sein Wagstück krönte, ist auch uns nicht versagt, wenn ähnliche Anlässe uns
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 274. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/282&oldid=- (Version vom 14.9.2025)