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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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zu ähnlichen Thaten rufen“; – Schillern, sage ich, – der in seinem Schwanenliede, im Tell, vor seinem Volk das ewige Wort gesprochen:
„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht!
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden;
Wenn unerträglich wird die Last – greift er
Hinauf getrosten Muthes in den Himmel,
Und holt herunter seine ew’gen Rechte,
Die droben hängen unveräußerlich –
Der alte Urstand der Natur kehrt wieder,
Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht –
Zum letzten Mittel, – wenn kein andres mehr
Verfangen will – ist ihm das Schwert gegeben!“
Es gehört jetzt freilich etwas mehr Muth dazu, ein Karl August zu seyn, als damals, und wo ist Muth jetzt zu finden? –
Aus einer stillen Stadtecke, zwischen Hecken und verfallenem Gemäuer, an baufälligen Hintergebäuden, Scheunen und Ställen vorüber, führt ein schmaler, grasbewachsener, wenig begangener Pfad, das Mönchsgäßchen genannt, hinaus zu einigen Gärten, die eine mäßige Anhöhe bedecken. Aus einem derselben schaut ein zweistöckiges Haus zwischen Obstbäumen hervor. Es ist unschön, unregelmäßig, mit einem Anbau, der einen kurzen, thurmartigen Aufsatz trägt. Dies ist Schillers Gartenhaus, jetzt die Wohnung des Direktors der Universitäts-Sternwarte, welche in dem Anbau eingerichtet ist. An derselben Stätte, wo Schiller über den aberwitzigen Träumereien der Astrologie brütete, mit denen er seinen Wallenstein und Seni ausgestattet hat, beobachtet und berechnet jetzt die erhabenste Wissenschaft der modernen Bildung den Lauf und Wandel der Gestirne nach ewigen Gesetzen. –
Einsam und abgeschieden, wie diese Gartenwohnung ist, so lebte auch Schiller in Jena, zurückgezogen von der Welt, seinen Umgang auf wenige Vertraute beschränkend, unbekannt den meisten seiner Mitbürger. Viele Jenenser jener Zeit haben Schillern nie gesehen, obschon er so viele Jahre unter ihnen gelebt hat.
Hinter dem Hause ist eine hochgelegene Baumpflanzung mit Pfaden durchwunden. In der südlichen Ecke derselben, auf einem Vorsprunge, von dem man einen freien, reizenden Blick über Stadt und Thal genießt, liegt, an der Stelle eines jetzt abgebrochenen Borkenhäuschens ein bemooster Felsblock, auf dem die Worte stehen:
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 275. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/283&oldid=- (Version vom 14.9.2025)