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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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und an der Völker eignen Thorheit, an ihrem Aberglauben, ihrer Unbeständigkeit, ihrer Selbstsucht und ihrer Feigheit erkaltet allmählig auch das glühendste Hoffen auf eine befriedigende Lösung der großen Frage.
Jene Sehnsucht und diese Hoffnungslosigkeit sind die Quellen des Menschenstromes, welcher sich, mit jedem Jahre breiter und tiefer werdend, aus Europa den Ländern des Westens zuwälzt. Die Amerikawanderer sind keine Abenteurer mehr, oder Auswürflinge ihrer Heimath; es sind keine Revolutionsmacher, keine Demagogen, keine Journalisten, keine Freiheitstheoretiker, keine schwärmerischen Jünglinge; zum größten Theil sind es Gutsbesitzer, schlichte Handwerker und arbeitskräftige Landleute. Oft feilen sie Jahre lang beharrlich an der Kette, welche sie an die alte Galeere fesselt, und wenn sie gehen, so gehen sie ohne Fluch und ohne Klage, wenn auch mit gebrochenem Herzen.
An den Einschiffungshäfen theilt sich der Strom der Auswanderung; der eine richtet sich nach New-Orleans, der andere nach New-York oder Baltimore und unsere Landsleute vertrauen sich zum größten Theile diesem letztern an. In Amerika spaltet sich nochmals der Zug in vier Hauptarme, deren Ziele die Namen Minnesota, Illinois, Iowa und Missouri, – junge, rasch aufblühende Staaten des fernen Westens, – bezeichnen. Missouri besonders nahm mehre Jahre lang einen großen Theil der deutschen Auswanderer auf. Jetzt richtet sich die deutsche Colonisation nicht minder häufig nach Minnesota und Illinois.
In jenen jungen Staaten ist das Colonisationsleben in beständiger Erregung, und mit unbegreiflicher Schnelligkeit breiten sich Kultur und Ansiedelung aus. Ununterbrochen schallen die Urwälder von den deutschen Axtschlägen und die Riesen der Forste neigen ihre Häupter vor unsern arbeitsamen Landsleuten. Was heute undurchdringliche Waldöde war, ist morgen schon Saatfeld, und wo der Wolf den Bison durch das Dickicht jagte, klettert die edle Rebe, gepflanzt und gepflegt von dem fleißigen Pfälzer oder dem Franken. Deutsche Farms bedecken oft ausschließlich in Strecken von vielen Quadratmeilen das gerodete Land, die Gehöfte wachsen schnell zu Dörfern zusammen, Flecken entstehen, Städte richten sich empor von deutschen Händen, und ehe wir noch ihre Namen auf unsere Karten eintragen, oder sie in unsere Lehrbücher einregistriren, haben sie sich öfters schon durch eiserne Pfade verbunden.
Wer hat von Jefferson City am Missouri gehört? Gewiß die wenigsten meiner Leser. Und doch ist’s die junge Hauptstadt des Staats Missouri und schon über tausend Deutsche haben sich dort herum Wohnsitze gebaut. Jefferson City, die Capitale einer Republik, deren Umfang größer ist, als England und Wales zusammen genommen, ist zwar noch ein Kind; aber in 20 Jahren wird es seine Bewohner nach Zehntausenden zählen. Vor fünfzehn Jahren campirten noch Indianerhorden auf der Stätte, – und im vorigen Herbste fuhr mein Sohn ununterbrochen auf der Eisenstraße von New-York, eine Entfernung von 1200 engl. Meilen, in vier Tagen dahin. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 283. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/291&oldid=- (Version vom 14.9.2025)