Seite:Meyers Universum 15. Band 1852.djvu/314
| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
|
|
Die Meerenge, welche zwei Welttheile scheidet – der Bosporus – ist zur Kluft geworden, welche Europa täglich mehr entzweit, und um eine Brücke darüber zu schlagen, ist – das Schwert gezogen! Wieder einmal haben die Könige die Faust als obersten Richter unter sich anerkannt, haben sie sich selbst dem Stärkerrecht unterwürfig gemacht; – wer aber das Schwert noch fassen werde in diesem Streite, wer weiß dies vorherzusagen? Noch hat Deutschland sich den Standpunkt bewahrt, von dem es die weite, tiefbewegte Gegenwart mit all’ ihren Gewittern, die aus der Ferne langsam und drohend herangezogen kommen, überschauen kann; aber auf wie lange wird dies noch möglich seyn? Viele Mahnungen sind an uns geschehen; wie die Seherin an dem Römerkönig, so ist das Schicksal mit seinen Erinnerungen mehrmals an uns vorübergegangen, und die Zeit naht, wo es, wie jene das letzte Kleinod, auch uns die letzte Warnung bietet. Soll auch sie nicht gehört werden?
Wohl kann man der dem deutschen Volke ursprünglich und allzeitig innewohnenden Freiheit des Geistes das Recht versagen; aber dann soll man sich auch nicht wundern, wenn die Federkräfte, im Kampfe mit ihrer Unterbindung, endlich zu einer Expansion gelangen, die allen Widerstand aufhebt. Wenn die Autorität jede
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 306. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/314&oldid=- (Version vom 15.9.2025)