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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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freie Regung des Gedankens auszutilgen strebt, dann soll sie nicht klagen, wenn sie schweigende Einsamkeit überall empfängt, und ihr keine andere Stimme, als ihre eigene, in der weiten Wüste auf ihre Fragen Antwort gibt. Dieses Schweigen ist der stumme Bote der Dinge, die vielleicht nahen; es ist schlimmer als das frechste Geschwätz des Jakobinismus; es lügt die Autorität mit der Ruhe der Gräber an, es läßt sich als ein Symptom der größten geistigen Erschlaffung deuten, die doch an der Grenze höchster Erregung steht. Möchten in einer Zeit, welche, wie die jetzige, so große, unbekannte Veränderungen in ihrem Schooße verborgen trägt, doch Alle, die mehr der Idee als dem Staube angehören, die Schwingen regen; möchte doch Jeder, der den Ernst der Gegenwart erkennt, der Betrachtung des Höheren ihr Recht geben und ihr Rede gestatten; möchte doch Jeder, der zu sprechen und zu lehren weiß, nicht bloß Hörer und Schüler seyn wollen; möchte doch ihnen im lebendigen Glauben am endlichen Siege des Rechts, und in der festen Ueberzeugung von dem endlichen Triumph des Guten der Muth nicht mangeln, sich auszusprechen zum Troste Aller, die da verzweifeln an der Gegenwart, wie an der Zukunft! Warum sollten wir verzweifeln? Sind nicht an diesem Geschlecht schon der Zeichen und Wunder genug geschehen, und haben wir nicht Alle Dinge erlebt, daran zu erkennen, daß den Herrschern, wie den Beherrschten, ein Maß in die Hand gegeben ist, daran zu messen all’ ihr Thun und Lassen? Was haben wir nicht Alles erfahren seit Menschengedenken? Laßt sie einmal vorüberziehen die lange Reihe der ermordeten oder hingerichteten Kaiser und Könige, der entthronten Monarchen, der dienstbar gewordenen oder vertriebenen alten Herrschergeschlechter; laßt sie vorüberziehen die von der Höhe herabgeworfenen Emporkömmlinge, die gestürzten Usurpatoren der Königsmacht, die Tyrannen der Freiheit, welche das eigene Blutgesetz gerichtet hat; laßt sie vorüberziehen die Völker, welche Gott um ihrer Verdorbenheit, Feigheit oder um des Mißbrauchs der Freiheit willen gezüchtigt! Und die Tage des Gerichts sind noch nicht vorüber. Von Neuem zittert die bewegte Erde von dem Donner des Kriegs.
Es nahen große Verhängnisse. Wer den Glauben an eine allwissende Vorsehung verloren hat, den müssen ihre Zeichen mit Grauen erfüllen. Die den Sturm erregt haben, überfällt ein Beben und Zagen, und obschon mitten im Krieg, sehen wir die geängstigte Politik doch noch beständig beschäftigt, den losgelassenen Orkan durch Zuspruch zu beschwören und den kaum geöffneten Janustempel wieder zu verschließen. Aber es haben die Flammen schon so weit um sich gefressen, daß nicht zu glauben ist, es stehe in der Macht Derjenigen, die sie entfesselt haben, sie wieder zu bemeistern. Der Uebermuth eines Menschen hat es für ein ausführbares Beginnen gehalten, über den reichen Besitz eines Lebenden, wie über das Erbe eines Todten zu verfügen; man hat es als ein unschwieriges Unternehmen dargestellt, die Türken aus Europa zu vertreiben:
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 309. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/317&oldid=- (Version vom 15.9.2025)