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die Ereignisse dürften jedoch dieses Kalkül selbst dann noch zu Schanden machen, wenn die Osmanen den Kampf mit Rußland allein auszufechten hätten. Schwerlich kann für die Vertheidigung eines entschlossenen und für seinen gefährdeten Glauben begeisterten Volks eine günstigere Oertlichkeit gefunden werden, als jene ist, die das Land den Türken bietet. Umgürtet in erster Linie von dem einem feindlichen Heere kaum zugänglichen Balkangebirge, schließen in zweiter Linie Meerengen und Meere straßenlose Provinzen von großer Ausdehnung mit dünner Bevölkerung ein, die den feindlichen Heeren keine Subsistenzmittel bieten, und welche theils durch niedrige Lage den Angreifenden tödtlich, oder, durch Gebirge, Schlösser, Festungen und kriegerische Völkerschaften geschützt, dem Feinde jeden Zugang auf’s Aeußerste erschweren; in dritter Linie aber erscheinen unwirthliche Wüsten und Einöden, welche einer Armee den Durchzug oder eine Okkupation zur Unmöglichkeit machen. So dreifach gepanzert kann das türkische Reich der Macht Rußlands viel länger Widerstand leisten, als Rußlands Kräfte – an Menschen wie an Geld, – ausreichen. Wenn in neuer Zeit das türkische gleich unzweifelhaft an Macht sehr herabgekommen ist, so ist doch noch nicht an einen Zerfall desselben, an Untergang, Tod und Auflösung zu denken. Das Sinken der türkischen Macht ist zunächst in der Schlaffheit begründet, mit der seit einer Reihe von Jahren die auf den straffen Despotismus angewiesenen Beherrscher der Gläubigen die Zügel führten und nicht minder sind auch die das innerste Wesen des Osmanenthums zerfressenden Reformbestrebungen eine Ursache seiner Schwäche. Bei der Unzufriedenheit, welche diese Reformen hervorriefen, war es den Knechten ein Leichtes, sich gegen den Herrn zu erheben, und in den sich beständig wiederholenden Aufständen der Provinzen glaubte Europa die Vorzeichen innerer Auflösung, die den Tod bringen müsse, zu gewahren. Es ist jedoch nun klar geworden, wie sehr man sich getäuscht hatte. Wir haben mit Staunen gesehen, wie der russische Einbruch schnell alle getrennten Interessen in dem weiten Reiche wieder vereinigte; wie sich die rebellischen, unbotmäßigen, mächtigen Vasallen wetteifernd beeilten, dem Padischah ihre Schätze, Heere und Flotten zur Verfügung zu stellen; wie die freien Söhne der Wüsten und der Gebirge, die Jahrhunderte lang im tödtlichen Kampfe gegen die Souveränitäts-Ansprüche des Sultans gestanden hatten, in bewaffneten Schaaren nach den Kriegsschauplätzen an der Donau und am Kaukasus zogen; wie es an energischen, tapfern und geschickten Führern, so wenig wie am Heldenmuth der Truppen gefehlt hat. Statt der verweichlichten Türken sehen wir in allen Gefechten Männer, die den Tod verachten; und die sie ausgeartet und verdorben gescholten, bekennen ihren Irrthum mit Verwunderung. Aber eben jene heldenmüthige Tapferkeit, welche die Türken im gegenwärtigen Kriege gegen die Russen beständig gezeigt haben, mag uns den Blick in einen Abgrund öffnen, aus dem eine, durch irgend ein großes Ereigniß angeregte, religiöse, nationale und politische Begeisterung leicht das Ungeheuere heraufbeschwören kann, dem ein weiter Länderkreis, durch denselben Glauben eng verbunden, und bis in’s Innerste Asiens und in die numidischen Wüsten