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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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reichend, unerschöpfliche Nahrung beut. Rußland, verblendet von Selbstüberschätzung, will den Beschwörer machen. Es hat das Kreuz an seine Fahne geheftet; es hat das aus tiefer Ruhe aufgeschreckte Europa zum Feldlager gemacht und seine Fürsten zu Kriegsobersten. Selbst Deutschlands Gewappnete harren nur des Steins, von der Schicksalshand geworfen, um auf die eine oder die andere Seite zu treten und Theil zu nehmen an dem dann allgemeinen Kampfe.
So trifft denn, wo der Blick auch hinfalle in die weite Runde, das Auge auf nichts als wechselseitige Befehdung unverträglicher Elemente, auf Räthsel von unbekannter Lösung, auf Zeichen unheilvoller Deutung. Politische Kuppelei ist überall thätig, um unglückliche Ehen zwischen Staaten und Dynastien zu schließen, die nur Hader und öffentliches Aergerniß erwarten lasten. Nirgends sehe ich ein inniges Zusammengehen der Interessen unter den verbündeten Autoritäten, nirgends eine aufrichtige Zuneigung; überall lugen verhaltene Entzweiung oder geheime Abneigung, Hintergedanken und tödtlicher Argwohn, und daneben laufen die Spuren oberflächlich beschwichtigter Volksleidenschaften und Bestrebungen hin, welche in großen Umwälzungen Befriedigung suchen.
Das ist in wenigen Zügen die Fassung von Europa, in der es den größten Katastrophen entgegentritt, mit welchen das Jahrhundert schwanger geht. Ungern von der süßen Gewohnheit des Friedens lassend, ist, gegen den Willen der Kabinete, durch die herausfordernde That des Czars urplötzlich ein Kriegsgetümmel entstanden, welches den ganzen Welttheil in seinen Strudel zieht. In diesem Streite, dem größten, weitaussehendsten, den das Jahrtausend geboren, bewegt sich Alles in kolossalen Massen und vor den Augen der Lebenden schreibt das Schicksal eine Weltgeschichte mit so mächtigen Lettern, daß sie auch dem Kurzsichtigsten lesbar erscheinen. Vierzig Jahre haben die Fürsten unter sich Frieden gehalten; ihre Kriege wurden nur gegen Völker geführt. Vierzig Jahre Frieden haben die Menschheit mit unzähligen Erfindungen und Mitteln für den Fortschritt bereichert; sie haben unermeßliche Güter und Werthe geschaffen – und doch haben sie die Menschen, der Masse und Mehrzahl nach, nicht glücklicher, nicht zufriedener, nicht wohlhabender, nicht selbstständiger, nicht freier gemacht. Eine Minorität war das Erbe ihrer Segnungen, – und diese Minorität beklagt am Meisten des Friedens Ende. –
Der schöne Stahlstich, welcher diesen Aufsatz begleitet, stellt einige neuere Befestigungen des Bosporus, unweit von der Einfahrt in das schwarze Meer, dar. Die wichtigsten Punkte sind die Forts Rumeli
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 311. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/319&oldid=- (Version vom 15.9.2025)