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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Washington Irving legt einem seiner Veteranen aus dem nordamerikanischen Freiheitskriege die Worte in den Mund: „Dank Gott, daß ich an den Ufern des Hudson geboren bin!“ – Und wahrlich, Einer mag schon Gott danken, wenn er an den Ufern dieses herrlichen Stromes leben kann, mag seine Wiege gestanden haben, wo sie will. Der Hudson ist überall neu, interessant und prachtvoll, von seiner Quelle an, inmitten der primitiven Einöde, bis dahin, wo seine klaren Fluthen sich mit dem Ocean vereinigen; düsterer Forst und Wildheit der Landschaft wechseln beständig mit den Sonnenblicken freundlicher Kultur und heiterer Waldesruhe. Der Reisende mag suchen was er will, er findet es an den Ufern des Hudson. Jähe Felsmauern und schmucke Farmen, schön geschwungene Höhen und liebliche Thäler, geräuschvolle Städte und heimlich blinkende Landhäuser, trotzig aussehende Befestigungen und friedliche Hütten, dunkler Urwald und blühende Obstplantagen, Buchten und Engen, sie wechseln in so rascher Folge und bieten dem Auge des Zuschauers fortwährend so viel neue Reize, daß nicht einmal ein Gelüste nach weiteren Schönheiten Zeit und Raum hat, wach zu werden. Dazu tritt noch der großartige Handelsverkehr, welcher sich überall kenntlich macht und der Landschaft ein ungemeines Leben verleiht. Der Reichthum an Naturschönheiten, die freundlichen Dörfer und unzähligen Landsitze finden in dem bunten Treiben auf seinen Gewässern eine so passende Gesellschaft, daß es sich wie eine Ungerechtigkeit der Natur ausnehmen würde, wenn dieser breite Strom seine mächtigen Wellen in stolzer Selbstgenügsamkeit und müßiger Herrlichkeit zum Ocean hinabrollte. Er muß etwas schaffen, tragen, mit sich bringen; und die Dampfer, die Segelschiffe, die Boote und Flosse, welche unaufhörlich seinem Laufe folgen, entziehen nichts der Großartigkeit seiner Natur.
Hyde Park liegt 80 englische Meilen oberhalb Newyork, im Ducheß County, am östlichen Ufer des Flusses. Zahlreiche Landsitze befinden sich in dieser Nachbarschaft, und Wohlhabenheit und Komfort ist der Ausdruck der ganzen Gegend.
Unser Bild stellt eine Partie des prachtvollen Landsitzes des Dr. Hosak dar, eine der größten und schönsten Anlagen am Strom. Allerdings darf das Auge keine Gegenstände der Romantik suchen. Es gibt dort keine Abteien und Burgen; Spuren höherer Kunst sind vergleichsweise wenig sichtbar; aber dafür hat die wohlwollende Hand der Natur eine reichere Gartenlandschaft an die Ufer des Flusses gebettet, als die Kunst irgendwo hat erreichen können. Downing, der berühmte englische Garten- und Parkkünstler, sagt mit vollem Recht: „Die Schönheit der Natur ist in keinem Theile der Union mit so viel Anmuth ausgelegt, als in den Partien des mittleren
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 95. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/100&oldid=- (Version vom 6.10.2025)