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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Hudson. Die Reize der Scenerie sind dort so mannigfaltig, daß Plätze, welche nur eine Meile oder zwei von einander entfernt liegen, den verschiedenartigsten Charakter tragen und die mannigfaltigsten Aussichten gewähren. Wenn man sich in einer dieser Anlagen befindet, hat das Auge gewöhnlich ein sanftes Rasengelände vor sich, und dichte Baumgruppen schließen die Aussicht nach den Seiten hin ab; zu den Füßen erstreckt sich seeartig der Strom und die Ferne begrenzt eine schön gezogene, bewaldete Bergkette. Die Anlagen selbst haben oft nur wenig Umfang; aber leicht bildet sich ihr Besitzer ein, Herr der ganzen Landschaft zu seyn, so glücklich ist die Lage der meisten. Auch für die Besitzung des Dr. Hosak hat die Natur das Meiste gethan, indem sie dem Grund und Boden alle wünschenswerthe Mannigfaltigkeit verlieh. Sie hat die hellen Gewässer eines lebendigen Bergstromes durchgeleitet, und der Blick, von der unmittelbaren Nähe des Hauses aus, schweift über das Thal des Hudson in einer Länge von 40 Meilen und zugleich in die bewaldeten Berge. Indeß sind auch die Anstrengungen der Kunst einer so seltenen Lage nicht unwerth geblieben. Zieranlagen, Wege, Pfade und Laubgänge sind mit so viel Geschmack angelegt, daß sie die Reize der Natur nur erhöhen. Der ganze Park umfaßt ohngefähr 700 Morgen“.
Zur Zeit, als Downing diese Beschreibung gab, betrachtete man Hyde Park als einzig in seiner Art; jetzt gibt’s viele Parks am Hudson von gleicher Ausdehnung und noch größerer Kunstvollkommenheit, jedoch keinen, welchen die Natur so verschwenderisch bedacht hätte.
Am Hudson zeigt sich ein rasches Wachsthum an Kultur, Wohlstand und Bevölkerung im auffallendsten Maße. Eine Eisenbahn, welche dem Strome entlang erbaut ist, erleichtert so sehr die Verbindung mit Newyork, daß jetzt viele Kaufleute dieser Metropole ihre Stadtwohnungen verlassen, und ihren Reichthum auf Verschönerung ihrer Landsitze am Hudson verwenden. Wenn die gegenwärtig grassirende Liebhaberei für plumpe Nachäfferei des Gothischen ausgelebt hat, so wird auch ein geläuterter und ein weniger phantastischer Baustyl an die Reihe kommen. Der Newyorker Kaufmann wird dann auflachen über die abgeschmackte Thorheit seines Vorfahren, in einer ritterlichen Halle zu wohnen, mit Wappenschildern geziert und mit Ahnenbildern behängen.
Der alte Irving, Amerika’s Liebling, welcher den Hudson in seinen alt-holländischen Sagen für alle Nachwelt verherrlicht hat, besitzt in einer zurückgezogenen Bucht des Stroms ein bescheidenes Plätzchen, welches er mit jener feinen Eleganz und Anmuth ausstattete, die seine Erzählungen beseelen. Mit ihm wohnt sein Freund und Genosse, Paulding, der berühmte Verfasser von „the Dutchmans Fire-Side“ (der Holländer Herd). Sunny-Side hat Irving sehr bezeichnend sein Waldeckchen getauft, wo er den Abend seiner Tage zu verleben im Sinne hat. An der entgegengesetzten Seite des Flusses, etwas weiter oben lebt der geistreiche Willis in einem alterthümlich aussehenden Haus; nicht weit davon ist Downings liebliche Villa – desselben Mannes, der so elendiglich in der Fülle seiner Jahre umkam in demselben Strom, den zu verschönern und zu verherrlichen er sich zur Aufgabe
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/101&oldid=- (Version vom 7.10.2025)