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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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seines spätern Lebens gemacht hatte. – Es ist unmöglich, an den Ufern des Hudson zu wohnen, ohne ihn zu lieben; und oft hört man die rohesten Gemüther ihre Bewunderung kund geben und dieselben Empfindungen der Ehrfurcht hegen, welche in den Worten Irvings so trefflichen Ausdruck gefunden haben. „Ich glaube“, sagt der geniale Verfasser des Sketch Book, „ich kann das Angenehme in meinem Denken und Fühlen auf meinen frühern vertrauten Verkehr mit meinem liebsten Freund, dem Hudson, zurückleiten. In der Wärme jugendlicher Begeisterung pflegte ich dem stolzen Strom die Attribute ländlich-sittlichen Charakters beizulegen und ihm eine Seele zu geben. Ich ergötzte mich an seinem stolzen, freien und aufrichtigen Charakter, an seiner edlen Einfachheit und offenen Wahrheitsliebe. Da war keine gleißnerisch schmeichelnde Oberfläche, welche verrätherische Sandbänke oder gefährliche Felsenriffe barg, sondern ein Strom, so tief als breit, und keines Fahrzeuges guten Glauben betrügend, welches sich seinen Fluthen anvertraute. Ich erbaute mich an seiner ruhigen, majestätischen, gleichmäßigen Fluth, wie sie sich so gemessenen Schritts vorwärts bewegte, und wurde sie einmal durch vorstehende Felswände seitwärts gedrängt, so erkämpfte sie sich doch bald wieder ihren geraden Zug nach vorwärts. Siehe hier, sagte ich, das Symbol einer wackeren Lebensbahn, so einfach, wahr und gerade; wenn sie, durch widrige Umstände überwältigt, sich auch einmal verirrt, so ist’s doch nur für einen Augenblick; immer findet sie ihre ursprüngliche Richtung wieder und verfolgt sie standhaft bis an’s Ende“.
Vor ungefähr fünfzig Jahren war auf dem Bergwall, welcher sich zwischen dem Sankt Petersfluß und dem Mississippi, beide Ströme trennend, bis zu dem Punkte hinschiebt, wo sie ihre Vereinigung bewerkstelligen, ein fremdes, wild bewegtes Leben. Sioux und Chippeways, die in tödtlicher Erbfeindschaft lebenden mächtigen Indianervölker, stritten sich Jahrhunderte lang um das Plateau, dem die Mythe vom großen Geiste eine religiöse Weihe gab, und an seinem Fuße wurden jene grimmigen Schlachten geschlagen, deren Schauerscenen in den Sagen beider Nationen ihren Wiederhall finden. Zuletzt blieb der geweihete Raum in dem Besitz der Chippeways, und er
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/104&oldid=- (Version vom 7.10.2025)