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hervor, unter denen der berühmte hochmeisterliche Sitz, die Marienburg, obenan steht. – Kein Fürst des Mittelalters besaß jemals eine Wohnung für prächtigen und glänzenden Lebensgenuß, die edler und schöner gewesen wäre.

Den imposantesten Anblick gibt die Marienburg vom linken Nogatufer aus. Der Charakter des Werks ist Einfachheit und Hoheit; er macht auf den Beschauer einen unauslöschlichen Eindruck. Der vielfache Ein- und Anbau aus späterer Zeit, welcher in der Nähe die Betrachtung stört, verschwindet von fern in der gewaltigen Masse des Ganzen wie die Altäre der Pfaffen im römischen Kolosseum, wie die arabischen Lehmhütten in den Tempeln der Thebais. – Angeweht von dem Geiste einer reichen Erinnerung, der seine Flügel mächtig um diese hohen Zinnen schwingt, vergißt man leicht die Anachronismen, die ein späteres Barbarenthum, welches, um sich über seine eigene Leere zu trösten, so gern alle Form- und Bilderschrift einer charakteristischen Vorzeit auslöschte, auch an diesem erhabenen Werke angebracht hat. Die dem Blicke zugekehrte Westseite, des „mittleren Schlosses“, einst Residenz der Hochmeister, schaut noch, vom Vandalismus unbehelligt, in reiner, alterthümlicher Gestalt und in voller Majestät zu uns herüber. Vom Nogatufer aus läßt sich auch der Raum deutlich erkennen, welchen einst die Außenwerke der Ordensburg einnahmen; von jenem runden Wartthurm gegen Nord an bis weit über die Stadt hin, wohl eine Viertelmeile lang, streckten sich die Thurm- und Mauerkränze des gewappneten Hochmeister-Hauses aus, und noch häufig treten die Substruktionen derselben, zuweilen auch mit Buschwerk und Schlingkraut überwachsenes Mauerwerk, aus dem Grün der Umgebung hervor. Dem nördlichen Flügel des Schlosses gegenüber ist der Gasthof zum „Hochmeister“, die gewöhnliche Einkehr der Fremden. Man übersieht von den Fenstern desselben die ganze Nordfaçade, mit der Zugbrücke davor und dem Eingangsthore dahinter. Das sorgfältig restaurirte Hauptportal mit seinen Zinnen und den gothischen Spitzthürmen nimmt sich besonders prächtig aus. Zwischen letzteren gewahrt man das hochmeisterliche Wappen, ein schwarzes Kreuz mit goldener Einfassung und dem schwarzen Adler auf einem kolossalen Schild aus grauem Stein. Die Vormauern tragen einen langen Zinnenkranz; kräftig und zierlich zugleich geschnitten. Hinter demselben prangt die dreifache Reihe gothischer Fenster, welche die hohen Säle erleuchten. Die beiden Eckgiebel sind mit Spitzbogen und Knäufen verziert und um das ganze Dach laufen Zinnen; an jeder Giebelseite aber lugt ein altersgrauer Wartthurm über die Schloßmauer – zugleich spähend und drohend.

Ein hochgewölbtes Thor führt in den Schloßhof. Wir befinden uns vor dem Hauptbau. Dieser besteht aus zwei nebeneinander gebauten Burgen, großen Vierecken, welche Höfe einschließen, und die getrennt sind durch einen tiefen Graben, über den eine Zugbrücke führt. Die eine dieser Burgen, welche die Aussicht auf die Stadt deckt, ist das „obere“ oder „hohe Schloß“, vom Hochmeister Konrad von Thierberg 1275 als ursprüngliche Burgveste erbaut. Sie war in späteren Tagen die eigentliche Wohnung der Ritter. Die Schönheit ihres „Kapitelsaals“ rühmen alle