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Boden, von den mächtigen Kellern an, die, wie der gebändigte Erdgeist, unwillig sich beugend, das Ganze tragen, erhebt sich der Bau, Pfeiler auf Pfeiler und Gewölbe über Gewölbe, wie der Thurm eines Münsters, immer höher, leichter und luftiger bis in die lichten Sterngewölbe, die das Ganze mehr überschweben als bedecken.

Aber den großartigsten Eindruck empfangen wir doch auf der Nogatseite des Schlosses. Stolz thürmen sich da die 4 Stockwerke des Baues über einander. Oben im höchsten ist der Prachtsaal, „Meisters großer Remter“, mit seinen weiten Fenstern und herrlichen Glasmalereien; über denselben die Brustwehr mit dem Zinnenkranze. Alle Fenster, welche in langen Reihen bis zum Erdgeschoß sich hinabsenken, sind durch zierliche, vorspringende Granitpfeiler von einander geschieden, und auch unter den mächtigen Eckbrustwehren oben treten solche Pfeiler aus der Masse hervor. Sie gleichen, aus der Entfernung gesehen, feinen weißen Stäben und die Steinverzierungen unterhalb der Zinnen hängen wie ein leichter Schleier über die Fenster hinab. Je höher der Bau hinaufsteigt, desto größer wird seine Kühnheit, und je höher das Gestein dort oben sich fügt, desto luftiger und leichter erscheint es, trotz seiner ungeheuren Masse. In der That wird man nirgendwo an einem weltlichen Gebäude so viel Größe und Würde, so viel Masse und Kraft, vereinigt mir Leichtigkeit und Freiheit im kühnsten Aufschwung, beisammen finden, als an dem Mittelschlosse der Marienburg. Dasselbe ist zwar nur ein kleiner Theil des großen Ganzen; doch offenbart sich in ihm am meisten der Kunstsinn des Baumeisters und eine Erhabenheit der Architektur, wie sie in Deutschland sonst nur an Kirchenbauten sichtbar wird. Links von diesem vorspringenden Schloßflügel schließt sich der untere „Konventsremter“ an, der einstige Speise- und Festsaal der Ritter. Er wird erhellt durch eine stattliche Reihe von acht großen, in Farben glühenden Fenstern mit reichen Ornamenten und über denselben verleiht ein langer Kranz von Zinnen dem Ganzen Ernst. Schade, daß den vollständigen Ueberblick späteres Flickwerk beeinträchtigt! Es ist eben im Plane, diese elenden Gebäulichkeiten, die bald auf den Stumpf eines alten Burgthurmes aufgesetzt, bald schief auf gebrechlichen Holzpfählen stehen, wegzureißen; und doch haben auch diese Hütten ihre Berechtigung, wie die Mistel auf dem abgestorbenen Eichstamm, oder das Eulennest auf dem zerbrochenen Thurme. Es liegt doch immer etwas Pathetisches darin, wenn sich Lebendiges an Todtes knüpft.

Der Anlage nach ist die Marienburg nicht nur das umfangreichste, sondern, seiner großartigen und originellen Konstruktion wegen, auch das schönste und erhabenste Schloßbauwerk des Mittelalters. Die kompetentesten Beurtheiler unserer Zeit sind dieser Meinung; Möller in Darmstadt, Schinkel und Quast in Berlin, auch Brown aus New-York, welcher erst unlängst, von Petersburg kommend, der Burg seinen Besuch abstattete. Der verwüstete Zustand vieler Theile spottet leider einer vollständigen Restauration; nie wird der Bau wieder in seiner ganzen Pracht hergestellt werden. Die vom Vandalismus der polnischen Herrscher und auf Friedrichs des Großen Befehl zertrümmerten