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DCCXXVIII. Lindau am Bodensee.




     Als Gott einst rief die Riesenkette
Der Alpen aus der Ebne Schooß,
Da brach der Rhein im Felsenbette
Aus seinem Eispalaste los,
Er trat heraus mit freud’gem Schrecken,
Er rauschet hell in’s off’ne Land,
Und ruht in einem tiefen Becken
Als blauer See mit grünem Rand –

     Bis er, von Gottes Geist getrieben,
Hinaus bricht zu dem fernen Meer;
Doch ist sein Ruhebett geblieben,
Die Wälder sprossen um ihn her;
Und über’n See, hoch ausgebreitet,
Spannt sich der linden Lüfte Zelt,
Es spiegelt sich, indem sie schreitet,
Die Sonn’ in ihm, des Himmels Held!

     Gesegnet ist die stille Fläche
Vor vielem Land und vielem Meer;
Froh eil’n ihm zu die Ström’ und Bäche,
Froh siedeln Menschen um ihn her.
Der Hauch des Herrn treibt seine Boote,
Voll werden stets die Netze seyn;
Froh ißt sein Volk vom eig’nen Brode
Und froh trinkt’s selbstgebauten Wein! –

Es gibt solcher lieben, milden, ächt poetischen Landschaften, wie die, welche Griffel und Stichel mit vollendeter Meisterschaft und Treue in den kleinen Rahmen unseres Bildchens zusammengedrängt haben, wenige auf der Erde. Wem das Glück gegeben ist, sie zu schauen, dazu einen sonnigen, wolkenfreien Himmel, einen heiteren, für Freude empfänglichen Sinn und die Wonne, an der Seite der Freundschaft zu wandeln, und bald Wiesen, Wälder und Berge im spiegelnden