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Auge des Sees, bald im klaren Blick guter und geliebter Menschen zu betrachten, der darf es schon glauben, das reizende Stückchen Erde sey ein Stück vom Himmel selbst.

Ist zwar das ganze Gestade des Bodensees ein Juwelenschmuck, so bleibt doch Lindau und seine Umgebung unter den kostbaren Steinen einer der allerköstlichsten. Von der Bregenzer Seite aus gesehen, eine halbe Stunde oberhalb Lindau, welchen Punkt unser Zeichner zur Aufnahme wählte, ist die Landschaft besonders schön. Du siehst die Inselstadt wie ein kleines Venedig in der krystallenen Fluth gebettet; links ziehen sich die Bergketten der Schweiz aus den Kantonen des Thurgau und St. Gallens bis an den See herab und zu ihren Füßen scherzen die weißen Segel auf der Wasserfläche, deren Ausdehnung von Lindau bis Konstanz volle 16 Stunden beträgt. Seitwärts, im Bilde, und von der Baumgruppe des Vorgrundes bedeckt, öffnet sich das breite, große Thal, durch welches der Rhein aus den rhätischen Alpen dem Bodensee zueilt; rückwärts aber thürmen sich die Felsmauern Vorarlbergs zu Hochgebirgen auf, auf deren Firnen noch im Hochsommer die Schneefelder glänzen und der Lämmergeier die Gemse jagt. In einer Felsbucht tief unten liegt die Stadt Bregenz, umgürtet mit Schanzen, von denen der Doppeladler in sein zerbrochenes altes Nest hinüberschaut, aus dem ihm das kecke, freiheitsfrohe Volk der Sperber und Falken längst verjagt hat. –

Lindau steht auf drei kleinen Felseninseln des Sees, deren größte, dem Ufer nächste, durch eine 300 Schritte lange Brücke mit dem festen Lande verbunden ist. Die drei Eilande haben zusammen einen Flächenraum von nur etwa 100 Morgen.

Die vorderste Insel ist die größte und bildet die eigentliche Stadt; die zweite enthält die Wohnungen der Schiffer, Fischer und Weingärtner; die dritte, kleinste, heißt die Burg. Die letztere ist die älteste Ansiedelung aus der Zeit der Römer her. Als eine Zwingburg für die benachbarten allemannischen Stämme haben sie in der Periode der Cäsaren ein Castrum hier erbaut. Jetzt steht die uralte Jakobskirche auf dessen Substruktionen. – Weinberge, Gärten und freundliche Anlagen der Lindauer Bürger nehmen den übrigen Raum ein. Auf den Resten der Thürme der Weltbeherrscher duften Jasmin und Geisblatt, rankt sich die Rebe zu lieblichen Lauben, und wo der eiserne Tritt der römischen Legionen einst erdröhnte und gelle Schlachtgesänge widerhallten, da spielen jetzt die Kinder und tönen die heiteren Lieder der Jugend. –

Lindau, die ehemalige freie Reichsstadt, kam nach dem Sturz des Reichs unter bayerische Hoheit. Schon lange vorher war die Stadt, – im Mittelalter, nächst Konstanz, die bedeutendste am Bodensee, zählte sie in 800 Häusern fast 10,000 Einwohner, und unterhielt mit den Uferstaaten und Italien einen blühenden Speditions- und Zwischenhandel, – im Sinken. Im Jahr 1820 waren die Einwohner auf 2500 geschmolzen. Erst mit Einführung der Dampfschifffahrt, welche den Lindauer Hafen begünstigte, regten sich neue Lebenskeime und ein schwunghafter