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1780, davon Gebrauch. Erst unserm Zeitalter, das sich doch das humane nennt, war es vorbehalten, alle Privilegien der Barmherzigkeit dieser Art, welche so manchen Justizmord verhinderten, abzuschaffen.

Die Dreifaltigkeitskirche, ein schöner, mittelalterlicher Bau, ist leider seit einem halben Jahrhundert geschlossen, und gelegentlich als Magazin benutzt worden. Im Chore hat der Lindauer Patriotismus die Bildnisse aller Männer versammelt, die sich seit den ältesten Zeiten um Staat und Kirche verdient gemacht haben. Sehenswerther und sehr merkwürdig ist die in der sogenannten Konsistorialstube der Kirche aufgestellte Stadtbibliothek, die ihre Gründung auf das Jahr 1538 zurückführt. Sie ist reich an kostbaren Inkunabeln, besitzt auch seltene arabische Manuskripte, wichtige Autographen und eine Sammlung römischer Münzen, deren Fundort zumeist der Schutt des römischen Castrums auf der Burginsel war. Noch steht unter dem Namen „die Heidenmauer“ ein Theil jener Veste aufrecht, – wahrscheinlich ein Stück von einem Thurm, welches seine Erhaltung dem Umstand verdankt, daß ein paar kleine Häuser sich an dasselbe anlehnen. Dies Gemäuer ist fast 10 Fuß dick und aus unbehauenen, großen Felsstücken zusammengefügt. – Die Tradition des Volks nennt den Tiber als Erbauer und Begründer der Stadt. Sicherer ist, daß das Hereinbrechen der barbarischen Völker im vierten Jahrhundert viele römische Familien veranlaßte, sich auf die benachbarten Inseln unter den Schutz des Castrums zu flüchten und Wohnstätten zu bauen. Durch ihre Lage geschützt, blühte die Kolonie bald auf. Der Ruf ihres Reichthums lockte im 10. Jahrhundert die eingefallenen Hunnenschwärme herbei; Lindau wurde von ihnen eingenommen, geplündert und mit Feuer und Schwert verheert. Nachdem das Reich durch die Vernichtungsschlacht auf dem Lechfelde von der Hunnenplage erlöst worden war, erstand Lindau wieder aus seinen Trümmern; der Kaiser schenkte ihm Selbstregierungsrecht, Freiheiten die Menge und schon Rudolph der Habsburger nennt die Stadt die „uralte, freie“; auch „die reiche“ hieß sie damals zur Auszeichnung vor ihren Schwestern. – Aber sie wußte das Recht der Selbstregierung so wenig wie irgend eine deutsche Reichsstadt vor Mißbrauch zu wahren. Die Herrschaft sank zum Erbrecht einiger patrizischen Familien herab, und diese übten einen Despotismus, unleidlicher und drückender, als sonst die Fürsten und ihre Vögte geübt. Da entstand (im Jahr 1396) ein Aufstand der Bürger gegen den tyrannisirenden Rath; dieser schlug ihn jedoch, mit Hülfe der Söldnerschaaren, welche die Magistrate der verbündeten benachbarten Reichsstädte zu Hülfe schickten, nach blutigem Kampfe nieder, legte die Ueberwundenen auf die Folter oder auf den Richtblock, und schickte Alle, denen er mißtraute, in die Verbannung. Tödtlicher Familienhaß zehrte fortan an dem Lebensmark Lindau’s; er legte den Grund zu seinem nachherigen Verfall, welchen die Wirren und Drangsale des 30jährigen Kriegs beschleunigten. In der Reformation trennte sich der demokratisch gesinnte Theil der Bürgerschaft von der katholischen Kirche und nahm Luthers Lehre an. – Von 1551 an war die Herrschaft des Magistrats eine absolute. Er hatte es durchgesetzt, daß der Einfluß der Zünfte auf das Regiment ganz