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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Helden der alten und der neueren Zeit. Washington ist kein Maß für die Uebrigen. Demungeachter kann die Republik zufrieden seyn. In welchem Lande kann die Monarchie den neun amerikanischen Präsidenten neun Regenten ebenbürtig in ununterbrochener Reihe an die Seite stellen?
Für den Republikanismus selbst ist damit allerdings wenig bewiesen. Aber dies Wenige ist doch immer Etwas. Wir wissen Alle, daß der Republikanismus die Menschheit nicht besser macht; doch er bessert den Menschen, indem er ihn aufrichtet und zum Bewußtseyn seiner Menschenwürde erhebt. Mehr darf man nicht erwarten. Auch das amerikanische Leben zeigt, daß die Selbstregierung weder den Egoismus niederhalten, noch ihn bezähmen, noch ihn veredeln kann. Sie hindert nicht, daß er sich in niedriger Weise und für niedrige Zwecke entwickele; aber sie hindert ihn doch, daß er sich in Korporationen vergesellschafte, daß er herrsche, unterdrücke und verewige. Sie läßt ihn nicht ausschließlich werden, wie in den Monarchien, wo er Standes- und Ehrenrechte erhält, sie läßt ihn nicht fortdauern durch Erblichkeit. In der Republik ist sein Wirken vorzugsweise auf das Individuum angewiesen. Er beginnt und endigt mit dem Leben; er tritt nicht über den Kreis der Familie hinaus. Er hat weder Raum noch Zeit genug, ungeheuere Dimensionen anzunehmen, und trostlos zu werden für die bürgerliche Gesellschaft. In der Republik hat die Person alle Verantwortlichkeit für ihr Handeln auf sich zu nehmen, nicht der Stand, nicht die korporative Genossenschaft. Der Egoismus des Adels z. B., kann in Europa die für den Staat verderblichsten Zwecke als Stand verfolgen, ohne daß dafür dem Einzelnen seiner Angehörigen ein Makel, ein Vorwurf, eine Verantwortlichkeit erwachse; ein absoluter Fürst, der seine Krone wie ein Gut betrachtet, das ihm von seinen Vorfahren überkommen ist, und das er an seine Erben mit ungeschmälerten Herrscherrechten übertragen soll, kann sich in bewegten Zeiten, wo solche Rechte gefährdet sind, die grausamsten Mittel erlauben, um sie in Kraft zu erhalten; er kann im Gebrauch dieser Mittel sein Land verderben, sein Volk elend und unglücklich machen und sich doch für einen pflichtgetreuen Fürsten halten, der nur sein Recht und Gerechtigkeit übt. Wer kontrolirt das Urtheil der Könige? Gegen den Irrthum ist kein Mensch, auch der Weiseste nicht, gesichert, und vielleicht ist dem Irrthum Niemand zugänglicher, als Einer, der über Alle steht und welcher stets auf sein eigenes Urtheil hingewiesen ist. Man fordert von den Fürsten, sie sollen hinabsteigen in den dunkeln Schacht des eigenen Herzens, dort das taube Gestein von dem Golde zu scheiden; man wundert sich, wenn sie manchmal das Werthlose an den Tag fördern und das Gold mit Füßen treten. Sie müßten ja Halbgötter seyn, wenn es anders wäre!
Das Leben im weißen Hause ist einfach und anspruchslos wie das Haus selber – so, wie es sich bei einem republikanischen Volke ziemt. – Keine Polizeibeamte umschwärmen in hundert Verkleidungen die
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/13&oldid=- (Version vom 2.10.2025)