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DCCXXXI. Die Stone-Walls (Fels-Mauern)
am Missouri, in Nordamerika.




An erhabener, seltener, malerischer Wildheit sind die Rocky-Mountains[1] von keiner Gebirgsgegend der Erde übertroffen. Der junge Missouri bildet in diesem Alpenlande eine dreizackige Gabel, welche von Lewis und Clark, den ersten Entdeckern, Jefferson, Madison und Gallatin getauft wurde. Diese drei Quellflüsse vereinigen ihre Wassermassen dicht oberhalb der Stelle, wo sie, dem Hochgebirg enteilend, durch eine schauerliche Schlucht zwischen senkrechten Felsen auf ein tieferes Terrain hinabstürzen. Ueber 1000 Fuß hoch erheben sich da die Wände über den brausenden Strom, in grotesker, abenteuerlicher Gestaltung. Eine Strecke entlang sieht man nichts als nackte Felsblöcke wild über und unter einander geworfen; ein Bild der trostlosen Wildniß. Anderswo sind sie mit Cedern, Fichten und Farren bekleidet. Weite Hochebenen sind mit den Trümmern eingestürzter Berge bestreut und tiefe Schluchten, von Giesbächen durchrast, wechseln ab mit der grünen, stillen Alp, wo die Gazelle grast oder der stolze Hirsch üppige Weide findet. Oft schallt aus tiefen Seitenthälern das Getöse der Katarakte, welche die Staffage zu den Bildern vollenden, die den schönsten unserer Alpenwelt gleichen.

Prachtvoller und imposanter als der Rheinsturz bei Schaffhausen sind die Fälle des Missouri, der, nach der Vereinigung seiner drei Quellflüsse, an Wassermasse dem deutschen Strom nicht nachsteht. Der erste Fall mißt 98 Fuß senkrechte Hohe, der zweite 20 Fuß, der dritte 47 und der vierte 26 Fuß. Unterhalb dieser Fälle kommt der ruhige und schone Fluß, welchen die französischen Kanadier Marias nennen, von nordwärts hinzu und vermischt seine friedlichen Wasser mit dem ungestümen Sohne der nordamerikanischen Alpen. Wenige englische


  1. Die nördliche Gebirgskette, welche, im Süden die Anden und Kordilleren genannt, vom Kap Horn zum nördlichen Polarmeere, Amerika der ganzen Länge nach durchzieht.