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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Diese ist auch einer der ersten und peinlichsten Eindrücke bei New-Orleans. Gelb ist die Stadt, Sommer und Winter, bei trübem oder hellem Wetter, wie die Städte des Ostens und Westens roth, die in Westindien und Südamerika im schmucksten Weiß erscheinen. Es scheint dies weniger die positive Farbe des Materials, aus dem diese Gebäude bestehen, des Ziegelsteins, zu seyn, denn derselbe ist an jeder Mauer verschiedenfarbig; sondern eine Eigenthümlichkeit des Dunstkreises. Nicht nur die Gebäude, sondern auch die Umgebung, die Flußufer, die Hügel, die Bäume, die ganze Landschaft, sind von diesem Farbenton beherrscht, und es nimmt derselbe an Intensität zu, je mehr man sich der Stadt nähert.
Der interessanteste und belebteste Zugang zu der Metropole des Südens ist der Mississippi, das fließende Meer, welches gleichsam trichterförmig den Verkehr des mittleren Kontinents aufnimmt, um ihn auf dem Seeweg nach allen Richtungen zu vertheilen, oder, umgekehrt, die am Stapelplatz sich aus aller Herren Ländern vereinigenden Waaren, strandaufwärts, den sich abzweigenden Gebieten seiner Nebenflüsse zuführt. Von ungefähr 150 Meilen oberhalb der Stadt an, wird der Reisende, nachdem er die tödtlich ermüdenden und nimmer endenwollenden Wald- und Sandufer von Arkansas und am obern Louisiana im Rücken hat, von einer reizenden, ununterbrochenen Kultur begleitet, die sich so weit in das Innere des Landes erstreckt, als sein Auge über die flachen Flußränder schweifen kann. In lieblicher Mannichfaltigkeit wechseln die Zuckerplantagen, Baumwollfelder und Obstpflanzungen, übersäet mit den eleganten Sommerschlößchen der Herren und den schmucken Häuschen der Sklaven, meistens in park- oder gartenartiger Umgebung; auf dem Fluß jagen oder begegnen sich die Dampfboote, so häufig wie die Wagen auf dem Korso, die schwimmenden Riesenpaläste, welche oft 1000 Personen an einem Tisch vereinigen und nach St. Louis gehen, bis zu den kleinen, flinken und aalschlanken Booten, die die Passage zwischen den kleinen Uferplätzen und größeren Pflanzungen unterhalten. Zur Erntezeit sind die Baumwollballen das Frachtgut, welches auf dieser Wasserstraße dominirt; die Boote sind dann so voll Baumwolle, vom Promenadendeck bis zum Wasserspiegel geladen, daß sie wie ein großer schwimmender Baumwollenballen aussehen, von dem nichts sichtbar ist, als die dampfende Esse, welche kaum mit der Spitze über die Mitte herausragt. So ras’t man mit einer Schnelligkeit von 35–40 englischen Meilen in der Stunde, namentlich wenn es gilt, einem Konkurrenzboot zuvorzukommen, den sich mehr und mehr verengernden Strom hinab, bis man, beim Umfahren einer Strombiegung, an deren ganzen innern Seite New-Orleans gebaut ist, sich zu seiner Ueberraschung inmitten des lärmenden Gewühls des Hafens befindet, an der Levee, dem Gegenstand unseres Bildes.
Die Levee ist ein von Holz solid gebauter Quai, der in einer Breite von nahe 200 Yards sich längs des Geschäftsviertels der Stadt erstreckt und, eigentlich höher liegend als die Straßen, dieselben vor den übersteigenden Fluthen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 141. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/146&oldid=- (Version vom 10.10.2025)