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DCCXXXV. Die Höhlen zu Paros.




Büffon sagte: „Es geht den Geologen wie den Auguren: sie können einander nicht begegnen, ohne laut aufzulachen;“ und Lichtenberg meinte: „Die Geologie gibt zwar keine Geschichte der Erde; aber sehr merkwürdige Beiträge zur Geschichte der Verirrungen des menschlichen Verstandes“. –

Es ist ein halbes Jahrhundert seit den Aussprüchen dieser großen Naturphilosophen verflossen, und was damals der Spott der hellsten Köpfe war, ist nun der Stolz geworden der wissenschaftlichen Welt. Die Träume der Geologen sind ausgeträumt; ihre hohlen Spekulationen sind in’s Nichts versunken; fußend, wie alle andern Zweige der Naturwissenschaft, auf Erfahrung und Beobachtung der Thatsachen macht die Geologie die Forschung zu ihrem Fundamente und ihre Jünger lesen die Geschichte des Erdballs so geläufig, wie die Lettern eines Buchs. –

Das Eine nur fehlt ihnen, die Möglichkeit der chronologischen Bezifferung. Sie können den Lebensereignissen der Erde nicht, wie der Historiker des Menschengeschlechts, die Jahrzahl hinzusetzen. Ihre Zeiträume und Perioden begreifen nicht Jahrhunderte, nicht Jahrtausende: Millionen Jahre sind im Erdenleben wie Tage; Zeiträume, unfaßlich groß, füllen den Abgrund von einer Wandlung der Erdrinde zur andern – Ewigkeiten breiten sich aus hinter ihm – Ewigkeiten vor ihm.

Wenn ich sage, Ewigkeiten füllen die Abgründe aus, welche die verschiedenen Hauptbildungen der Erdrinde,– die Formationen, wie der Geolog sie nennt, – trennen, so ist damit schon angedeutet, daß die Veränderungen, aus denen sie hervorgegangen sind, nicht sprungweise entstanden. In der That: – Nichts im Erdenleben geschieht in Sprüngen. In allen Aeußerungen desselben waltet eine organische Entwickelung, und das festina lente ist der Gäa eigentlicher Wahlspruch. Die Erde, wie sie ist, ist allmählig so geworden. Sie bedarf unendlich großer Zeiträume zu ihrem Fortschreiten von Stufe zu Stufe; ihre Lebensthätigkeiten waren von Anfang an ohne Stillstand, wie sie es heute noch sind; ihr Fortgang zu höherer Entwickelung war nicht schneller als setzt; an ein Rennen war niemals zu denken, so wenig, wie an ein Stillstehen. Die Geologie kennt keine Wunder, keine Katastrophen plötzlicher, die ganze Erdoberfläche umfassender Verwandlung. Sie weiß nur von einem Wunder zu sagen: vom Wunder der schöpferischen Urkraft, von: Wunder des ewig unbegreiflichen „Es WERDE!“ –

In allen seinen Aeußerungen folgt das Erdenleben unwandelbaren Gesetzen. Obschon manche Urkunden seiner Entwickelung für uns verloren gegangen sind, so genügen doch die uns überkommenen vollständig, um uns in Beurtheilung des Prozesses vor Täuschung zu bewahren. Wie wir es heute noch finden, so war es