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immer. Die Veränderungen der Erdrinde erfolgten nach und nach in unmeßbaren Zeiten, und diesen Veränderungen paßte sich der Wechsel der Organismen genau und in beständiger Folge an. An die physikalischen Bedingungen knüpften sich die des Lebens, die Veränderungen der anorganischen Welt riefen die Veränderungen der organischen hervor. Schon die oberflächliche, alltägliche Beobachtung läßt dies deutlich wahrnehmen. Sehen wir z. B. nicht, wie die Pflanzen einer Gattung und Art sich unter verschiedenen Verhältnissen des Klima’s und Bodens verändern? wie sich die Blätter behaaren oder glätten, je nachdem ihr Standort im feuchten oder trockenen Lande es bedingt? wie sie bald in die Lüfte aufstreben, oder zum Boden sich hinkrümmen, sie bald schlank emportreiben, bald in die Breite wachsen? Verändern nicht selbst die Thiere Gestalt und Gewohnheiten unter verschiedenen Himmelsstrichen und in verschiedenen Klimaten in der auffallendsten Weise? Was ist aus dem Roß der Steppe auf den Schetlandsinseln geworden? was aus den Haaren der Ziege und aus der Wolle der Schafe in den verschiedenen Himmelsstrichen? was aus dem Hunde des Nordens unter der tropischen Sonne? Der Kanarienvogel, das Kind des ewigen Frühlings, zieht in der rauheren Zone sein weiches Pelzchen an, sobald der Winter kommt, und der Papagei, der in den Wäldern des Amazonenstroms im Januar brütet, legt bei uns seine Eier im Julius. Die meisten Blumen, welche unsere Gärten schmücken, – Kinder einer heißern Sonne, – haben ihre Blüthenzeit verändert; die, welche am Kap und in Persien, in Australien und im indischen Hochland Berge und Thäler kleiden, blühen bei uns im hohen Sommer. In meinen Braunkohlengruben auf der Rhön liegen, dreitausend Fuß über dem Meere, unter den Strömen alter Lava (Basalt) ganze Wälder von riesigen Palmen, die einst die Höhen eines Gebirgs zierten, auf dem jetzt kaum verkrüppelte Buchen und Kiefern ein dürftiges Daseyn fristen: – welche Zeiträume haben dazu gehört, die Erdrinde so abzukühlen, um jene tropische Pflanzenwelt durch alle Abstufungen bis zum dürftigen Bestand kriechender Kiefern und Wachholdersträuche herabzubringen, deren Keime erst zu Anfang des Sommers aus dem tiefen Schluchtenschnee zu neuem Leben erwachen? – 10 oder 1000 Millionen Jahre sind für den Menschenverstand gleich unfaßlich und unbegreiflich; und doch müssen wir sie als kleine Zeitspannen im Erdenleben betrachten, wenn wir bedenken, daß die Massengesteine, welche die ältesten Erdrinden bildeten (Ur-Granit etc.) sich einst im feuerflüssigem Zustande befanden, der eine Wärme von mindestens 3000 Graden R. voraussetzt; daß aber während der ganzen Dauer zuverlässiger astronomischer Beobachtung (seit 2000 Jahren) sich die Abkühlung der Erde nicht um den kleinsten wahrnehmbaren Theil vermehrt hat. Wäre die Abkühlung auch nur um Theil eines Grades gewesen, so hätte dies, wegen der damit verbundenen Zusammenziehung des Erdkörpers und der daraus folgenden Veränderung seiner Umdrehungsgeschwindigkeit, in die Beobachtung fallen müssen. An diese eine Thatsache knüpft sich also schon eine Ewigkeit! Die Geologie kennt in der That nur ein Früher oder Später; keine bestimmte Zeit.