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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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welche beim Kerzenschein wie Edelsteine funkeln. In einem zurückspringenden Theile des Tempels – gleichsam den Chor bildend – sind zu beiden Seiten natürliche Nischen, wie kleine Kapellen, von deren Gewölben durchsichtige Alabaster-Schleier, wie Vorhänge vor dem Allerheiligsten, herabhängen, und vom Boden streben die Altäre in allerhand Formen auf. – Kein Heiligenbild stört die Andacht in diesen Räumen und kein Sektengeist profanirt die Verehrung des unsichtbaren, alleinigen Gottes. Der einzige Versuch, ihn zu entweihen, geschah einst von dem Gesandten Ludwigs XVI. im Jahre 1673, der den Tempel mit einem Gefolge von 500 Personen besuchte, von 2 Roms in demselben eine lateinische Messe lesen ließ und darauf in einem der anstoßenden unterirdischen Säle ein üppiges Gastmahl gab.
Ein Bild aus dem „fernsten Westen“ Nordamerika’s, der unermeßlichen Ebene, durch welche die Schnee- und Eisfelder der Felsengebirge ihre Wasser nach dem mexikanischen Golf ausgießen.
Der Charakter der Landschaft ist afrikanisch. Wie der nubische Nil steigt der Red River ein ungeheures Tafelland hinab zum Thal des Rio Grande, überfluthet alljährlich seine flachen Ufer und befruchtet, oasengleich, die Niederungen; die Comaches- und Kyowas-Indianer sind die Beduinen dieser Wüste, die Erbfeinde der Kultur und der Büffel. Die Antilope, der Prairie-Hund, die Klapperschlange sind ihre Genossen.
Noch ehe die Straße von Independence nach Santa Fe sich belebte, welche hier das Thal überschreitet und eine Furth im Flusse gefunden hat, hatte sich eine alte spanische Pionier-Gesellschaft da niedergelassen und eine weitläufige Hacienda gebaut (Barclay’s Farm); die herrlichen Weiden in den Seitenthälern gaben ihren Heerden reichliche Nahrung und die zahlreichen Büffel Beute für ihre Jagdlust. Mit dem rothen Manne lebten sie in Eintracht. Seitdem aber die Entdeckung des goldenen Vließes der neuen Welt alljährlich Tausende von Abenteurern dieses Weges lockt, die die Büffelheerden auf ihren Weiden und die Indianer in ihren Jagdgründen stören, hat der entbrannte Krieg zwischen der rothen und weißen Haut auch diesen Anfang einer Ansiedelung zerstört, und nur zuweilen noch bieten ihre verlassenen Mauern den Karawanen Schutz gegen die mächtigen Ueberfälle ihrer immer wachsamen Feinde. Der ganze ungeheure Landstrich ist jetzt nur noch eine Wildniß, in der der Reisende höchstens Emigranten-Zügen begegnet, die dieselbe Straße ziehen oder kommen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 153. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/158&oldid=- (Version vom 12.10.2025)