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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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hohe Fenster die Neugierde bis in die entferntesten Winkel der Wohnungen dringt, zur Plaza de Armas, dem Arsenal-Platz, welcher prätendirt, das für die Havanesen zu seyn, was den Parisern die elysäischen Felder, den Römern der Korso, den Londonern der Hyde-Park ist, schicklicher aber mit Place Vendome oder Trafalgar Square zu vergleichen wäre. Die Plaza de Armas ist ein freier Platz, in Mitte der Stadt, von den Palästen des Gouverneurs, der Generalintendantur, dem Zeughaus und den Regierungsgebäuden umgeben. Die Architekturen sind gemischten maurischen und italienischen Styls, wie man deren in den spanischen Städten aus der Blüthezeit der Castilianischen Herrschaft viele antrifft. Die Etagen sind mit Balkonen umgeben, auf denen exotische Gewächse prangen; die flachen Dächer bilden eine Promenade und gewähren den freien Blick über die See. Die innere Ausstattung ist von verschwenderischer Pracht; bunter Marmor und reiche Vergoldung schmücken die weiten Hallen und hohen Gemächer und sind von der kunstvollsten Arbeit. Der Platz selbst, in dessen Mitte eine Statue von Ferdinand VII. steht, ist mit prächtigen Palmen und üppigen, stark duftenden Blumen bepflanzt, zwischen denen Fontänen erfrischende Kühle ausgießen. Nach Sonnenuntergang, Sommer und Winter, versammelt sich da die fashionable und schöne Welt von Havana, um den allabendlichen Konzerten eines gutbesetzten Militärorchesters zuzuhören, zu gaffen und zu bewundern oder sich selbst bewundern zu lassen und das schwere Tagwerk des Müßiggangs da zu vollenden. Der Platz prangt dann im Glanz eines Ballsaals und das Gewühl der Gesellschaft wogt durcheinander im Schmuck des blendendsten Weiß; die schönen havanesischen Frauen mit den pechschwarzen Augen unter der spanischen Mantilla und reizenden Formen, die Männer mit den interessanten regelmäßigen Zügen und dunkelfarbigem Teint, die leichten offenen Volanta’s, die reich gezäumten Pferde, Alles wogt in buntem Gedränge, kokettirt und intriguirt, lärmt und singt, ißt und trinkt, lacht und freut sich des Augenblicks: – dazwischen rauschen die Töne einer spanischen Quadrille oder eines andalusischen Marsches, Alles bewegt sich im Putz eines Festes, ein Paar Stunden lang, bis, gegen Mitternacht, die Musik verstummt, die Gasflammen erlöschen, das Volk sich verläuft, die sprudelnden Wasser schweigen; – Alles ist schlafen gegangen bis auf den verhallenden Schritt der Schildwache in den hohen Bogengängen und das Schwirren eines Leuchtkäfers, der nach den würzigen Blumenkelchen sucht.
Der Palast auf der linken Seite der Plaza de Armas ist der Sitz des General-Gouverneurs, des von ihrer katholischen Majestät bestellten Regenten der Insel. – Spanien hat die aus der Periode seiner über den halben Erdkreis sich erstreckenden Besitzungen herkömmliche Kolonialpolitik auf Kuba in unveränderter Anwendung gelassen. Die Regierung in Madrid kümmert sich nur in so weit um ihre Kolonie, als sie ihren Günstlingen einträgliche Aemter und der Krone bedeutende Revenuen sichert. Die Söhne von der Regierung nahestehenden und einflußreichen Familien gehen unter dem Titel eines Hafen-Kollektors, Oberrichters, General-Intendanten oder einer hohen militärischen Charge nach Havana, wo sie, wie zur Zeit der Römerherrschaft in Gallien oder
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 162. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/167&oldid=- (Version vom 12.10.2025)