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DCCXXXIX. Rostock in Mecklenburg.




Man ist daran gewöhnt, mit der Vorstellung einer mecklenburger Landschaft die Begriffe eines seenreichen Landes von überschwenglicher Fruchtbarkeit zu verbinden. Die Vorstellung ist nur wahr, so weit sie die Gegenden der Marschen angeht; die mecklenburger Strandlandschaften haben ein anderes Gesicht. Dünne Kiefern- und Fichtenwaldungen, deren kümmerlicher Baumwuchs von der Unfruchtbarkeit des Bodens zeugt, ziehen sich 1 bis 2 Meilen breit der ganzen mecklenburger Küste entlang bis tief in’s Pommersche. Oefters sind diese düsteren Holzungen von Lichtungen unterbrochen, auf denen ein dünnes, binsenartiges Gras wächst und wo der Feldbau den Fleiß der Strandbewohner mit kümmerlichen Ernten von Hafer, Buchweizen und Kartoffeln dürftig lohnt. Magere, zottige Pferde, – den Riesen der Marsch so unähnlich, wie die Kühe des Thüringer Rennsteigs den Schweizerkühen, – und grobwollige Schafheerden weiden auf der mageren Trift und gar oft müssen Tannennadeln, Schilf und Fischgräten als Viehfutter aushelfen, wenn ein trockener Sommer die Weiden versengt, und die Heuernte mißräth. Dem Strande entlang begrenzen hohe Dünen aus lockerem Triebsand das Meer, und von Jahr zu Jahr müht sich der Fischer zum Schutze seiner Hütte ab, Strandhafer darauf zu bauen, um den Sand zu befestigen, der mit jeder Hochfluth und jedem Sturme seine Form verändert, und den Wogen die Thore in die dahinterliegenden Felder zu öffnen droht. Das zahllose Volk der Möven, mit ihrem nie rastenden Geschrei, geben den sonst so tristen Dünenbildern eine lebensvolle Staffage. Vielartig, bald groß wie der größte Habicht, bald klein wie eine Taube, bald weiß, bald grau, bald schwarz- und weißgefiedert, tummeln sie sich beständig im leichten Fluge über dem Gewässer, immer nach Beute spähend, bald ruhend auf den grünen Wogen, bald sich hinabstürzend in die kräuselnde