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Brandung und triumphirend einen zappelnden Fisch als Beute zum Strande entführend. Das Auge wird nicht müde, die ewig hungrigen Vögel zu beobachten. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend kreischen ihre Geschwader über der Fluth, oder ruhen in dichten Schaaren am Strande aus; wenn aber ein Sturm im Anzuge ist, und schwarzes Gewölk am Horizont aufsteigt: dann verdoppelt sich ihre Thätigkeit und ihr Geschrei wird klagend: – ein Zeichen für Fischer und Schiffer, den Strand zu suchen und ihre Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen.

Wie mag man in einem solchen Lande wohnen? fragt sich der Bewohner der grünen Berge, – und doch wohnen in dem mecklenburger „Fischlande“ der Menschen nicht wenige, und sie wohnen behaglich und gut. Was der Boden versagt, gibt das Meer in Fülle: reichlichen Erwerb. Wie erstaunt der Reisende, der sich auf den mecklenburger Strand verirrt, wenn sein von den dürren Pferden gezogener, bis an die Achsen in dem Sand langsam sich hinwindender Wagen ein Dorf erreicht, und da ihm zierliche, reinliche Häuser anlachen, wo er nur schlechte Hütten der Armuth erwartete. Die Wände des Hauses sind von Backsteinen aufgemauert, in hellen Farben bemalt, Thüren und Fensterläden mit Oelfirniß angestrichen und die lichten Fensterscheiben erschließen ein Inneres voll Zierlichkeit und Sauberkeit. Alles ist da so blank und aufgeputzt wie auf einem Kriegsschiff. Vor fast jedem Hause schließt ein farbig angestrichener Staketenzaun einen sorgfältig gepflegten kleinen Blumen-, Gemüse- und Obstgarten ein. Wo nehmen’s die Leute her, sich so hübsch einzurichten? Die weite See ist ihr Ackerfeld, das schnelle Schiff ist ihr Spaten und Pflug. Jeder Mann ist Seemann; der Ackerbau selbst ist nur Nebensache und zumeist den Frauen und Alten überlassen. 240 größere Seeschiffe besitzt gegenwärtig die Stadt Rostock allein, und fast die ganze Bemannung derselben ist aus dem „Fischlaude“. Sie sind ein eigenthümlicher Schlag, diese „Fischländer“, die für den Dienst auf der See geboren und erzogen sind seit länger als einem Jahrtausend. Auf der See zu leben und zu sterben, diese Vorstellung saugt der Knabe gleichsam mit der Muttermilch ein. Statt auf unsere Ammenmärchen von Gnomen und verwünschten Prinzessinnen zu hören, lauscht der Kleine den Erzählungen des Großvaters am winterlichen Heerde von grausigen Seeabenteuern und Schiffbrüchen. Und kaum hat der Bube die Schule verlassen, so will und muß er fort auf’s Meer; denn das Festland ist ihm ein Grauen, auf dem Meere allem ist’s ihm heimisch und wohl. Mecklenburg, das Küstenland, hat so wenig eine Kriegsmarine als Oldenburg und Hannover, als Hamburg und Lübeck; die schutzlosen deutschen Kauffahrer leben durch die Gnade der Nachbarn; der seefrohe Fischländer muß folglich mecklenburger Landsoldat werden, und der starke, ausgewetterte, abgehärtete Matrose, vom Loos getroffen, vertauscht mit Ingrimm seine Theerjacke mit der glänzenden Uniform des Grenadiers und des Gardisten in Schwerin. Sie gelten als Tölpel in dieser unfreiwilligen Metamorphose, und der dümmste Bauerbursch hat an ihnen seinen Spott. Und doch sind das die Leute, deren seemännscher Ruf hoch steht in allen Meeren, die in dunkler Nacht wie die Katzen die Masten erklettern und auf den Segelstangen reiten, wenn der Sturm das