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Mannschaft mehr als ihre Auslage für die Lebensmittel an, eingedenk des Spruchs: sie hätten’s im umgekehrten Falle auch für uns gethan.

Auf diesem hochherzigen und rüstigen Volkselemente ruht Rostocks blühende Rhederei, welche die Stadt reich gemacht hat. Die Handelsgröße Rostocks hat in der Rhederei das Fundament und so lange der Geist nicht ausartet, der in dem Volke steckt, wird es dauern. – Rostock führt seine Geschichte tief in die vorchristliche Zeit zurück. Schon als die Könige der Obotriten diese Gegenden beherrschten, bedeckten rostocker Fahrzeuge die Ostsee; um 1170 wurde die erweiterte Stadt mit neuen Mauern und Thürmen gepanzert, und im Hansabunde war sie eines der streitbarsten und angesehensten Glieder. Ihre Unabhängigkeit ging zuerst an die Dänen, dann, 1323, an Mecklenburgs Dynasten verloren, welche durch Privilegien und Freiheiten der aufsässigen Stadt die Herrschaft zu versüßen suchten. Nach der Theilung des mecklenburger Landes fiel sie (1695) an die Linie Schwerin. Verkümmerung ihrer Freiheiten führte zu öfteren Fehden mit ihren Fürsten; manche derselben wurden mit den Waffen ausgefochten, manche durch die Intervention der kaiserlichen Gewalt geschlichtet; die letzten Streitigkeiten kamen erst 1788 durch Vergleich zum Austrag. Aber der Geist der Freiheit und Unabhängigkeit, genährt durch die Erinnerungen an eine thatenreiche Vergangenheit, – ein Geist, der auch in dem stolzen Bürgersinne der Bewohner, und im Vollgefühl ihres Werthes volle Berechtigung hat, – ist nie aus Rostocks Mauern gewichen und er hat Zeugniß gegeben von seinem Daseyn in den schimpflichen Tagen der Schmach und der Erniedrigung, welche deutsches Volk von Innen und Außen erduldet. – Rostock muß von der Seeseite gesehen werden, damit es in seinem ganzen Glanze erscheine. In der Breite einer vollen halben Stunde legt es seine Façade mit den vielen Thürmen, dem Mastenwalde des Hafens und der Kaien gegen die See hin aus. Doch auch das Innere, die hohen, alterthümlichen, soliden, aus Stein aufgeführten Häuser der Altstadt, die regelmäßigen schönen Straßen der Mittel- und Neustadt, lassen Comfort und großen, allgemeinen Wohlstand erkennen. – Blüchers Standbild von Erz, Schadows Werk, ziert den Blücherplatz, in der Marienkirche ruht Hugo Grotius unter einem schönen Epitaphium von Marmor. Die 1419 gestiftete Universität – eine Pflanzschule berühmter und großer Männer, – besteht noch, obschon ihre Glanzzeit längst vorüber gegangen ist, und neben ihr blühen viele höhere Lehranstalten, wissenschaftliche Vereine und Institute. Die Seele Rostocks aber bleibt die Rhederei und der Handel – Rostock nimmt unter den deutschen Plätzen der Ostsee die 3. Stelle ein. Als Frachtfahrer sind die rostocker Schiffe und Flaggen auf allen Meeren, in allen Welttheilen zu finden. Viele bleiben Jahre lang draußen; die meisten, die, auf kurzen Reisen, in den nordischen Meeren fahren, kehren jedoch mit Eintritt des Winters heim und bringen einige Monate bis zur Wiedereröffnung der Schifffahrt im Hafen zu. So liegen manchmal 150–180 große rostocker Schiffe abgetakelt am Pfahl, während die Mannschaft heimgegangen ist zu Aeltern, Weib und Kind. Dann herrscht in dem Fischland ein gar buntes Leben, voller Lust