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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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die Wapashas oder Red Leafs, beanspruchten den gemeinschaftlichen Besitz dieser Felsen, wo ihre Vorfahren seit undenklichen Zeiten dem großen Geiste opferten. Jedes Jahr versammelten sie sich auf den Höhen zu gemeinschaftlichen Festen. Bei einer solchen Volksversammlung beider Stämme entstand ein Wortwechsel der Häuptlinge, welcher zu einer allgemeinen Debatte um die gegenseitigen Rechte auf den geheiligten Berg führte. Die feindschaftlichen Gefühle fachten sich einander so an, daß die Kriegstänze in jedem Lager abgehalten wurden und beide Parteien sich zum Kampfe bereiteten. Der Wahkonshecha, der böse Geist der Sioux, war, so erzählt die indianische Legende, eifrig bemüht, die Flamme zu schüren und einen Vernichtungskrieg zwischen den Brüderstämmen herbeizuführen.
Die Wapasha-Partei zog aus mit dem festen Vorsatz, die Feinde auszurotten, welche den heiligen Berg besetzt hielten. Diese verehrten den Wahkontonka, den „Vater des Lebens“ als den Schöpfer alles Guten, und zugleich den Wahkonshecha, den Urheber des Bösen. Die Wapashas hatten die Prairie verlassen, welche ihren Namen trägt, um in der folgenden Nacht die Redwings zu überfallen. In diesem verhängnißvollen und gefahrdrohenden Moment hatte Wahkontonka Mitleid mit den irregeleiteten Stämmen und beschloß die verderblichen Machinationen des Wahkonshecha zu vernichten. Er suchte die Hülfe des Donnergottes nach. Dieser bedeckte den Himmel mit Finsterniß und ritt auf einer Sturmwolke von seinem Wohnsitz im fernen Westen daher, sandte Ströme von Regen und Hagel nieder und machte die Nacht so dunkel, daß der Kriegszug seinen Weg verfehlte und eine andere Richtung einschlug. Am nächsten Morgen, als der Sturm vorüber war, befanden sich die ausgezogenen Krieger auf der Wapasha-Prairie, Angesichts ihres eigenen Lagerplatzes. Während des Sturmes aber hatte der väterliche Gott des Guten den Berg gespalten. Betroffen von dem Wunder reichten sich die Anführer die Friedenspfeife; jeder Stamm erhielt nun seinen eigenen Theil des heiligen Bergs und seit der Zeit blieben sie in Freundschaft.
Hinter den Eagle-Rocks ist das Land wellig, malerisch, gut bewässert und von einem fruchtbaren Boden. Von der Spitze der Felsen schweift das Auge über ein weites, herrliches Land, mit hohem Gras bewachsen und im Frühling mit einer reichen Flora bedeckt. Gruppen von Bäumen und Buschholz unterbrechen die Einförmigkeit der weiten Prairie. Das indianische Besitzrecht ist kürzlich für das ganze Land auf der rechten Seite des Mississippi, von den oberen Ansiedelungen im Staat Iowa bis weit oberhalb der Fälle von St. Anthony oder in der Sprache der Indianer dem „Minverara“ (dem Wasser, welches lacht), gelöscht worden. Noch wenige Jahrzehnte, und das ganze Territorium von Minnesota wird von der Civilisation belebt, und seine interessante Natur in die überall gleichartige Physiognomie fruchtbarer Pflanzungen, Aecker und Wiesen verwandelt seyn.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 188. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/193&oldid=- (Version vom 15.10.2025)