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Verklungen ist diese Zeit. Wo das einsame Marktschiff auf dem Rheine langsam fortzog, tragen jetzt die hochbordigen Dampfer die Schaaren von fröhlichen Menschen aus allem Volk auf dem herrlichen Strom wie in beständigem Triumphzug. Jede Zeit hat ihre Berechtigung. Vor einem halben Jahrhundert entzückte der stille, gemüthliche Genuß; jetzt rauscht die gesellige Freude auf Fanfaren dahin. Das herrliche Land war immer das nämliche – nur dem Leben gab die Zeit neue Formen, und es ist unsere eigene Schuld, wenn wir Alten ihnen fremd geworden und uns einsam fühlen in dem Kreise der sprühenden, jugendlichen Lust. Das Alter macht nur alt, wenn es sich der Gegenwart entfremdet. Ich mache die Erfahrung an mir selber. Ist mir’s doch wehmüthig geworden bei der Erinnerung an mein Marktschiff, und meine ich doch, es müßten die bekannten Stellen in dem gelobten Lande viel schöner gewesen seyn damals, sie müßten entweiht worden seyn durch die bunte lustige Menge, die heutigen Tages zu ihnen wallfahrtet. Die Marksteine meiner Erinnerung von der ersten Rheinfahrt, – es sind freilich eingesunkene Grabsteine geworden, die Freunde und Reisegefährten sind gestorben, die Lebenshoffnungen und großen Entwürfe, die mich begleiteten, gehören längst der Trümmerwelt an und mein Herz voll Sehnsucht ringt vergeblich nach dem Frieden im Widerspruch mit meinem Geiste, dem nicht die Ruhe Bedürfniß ist, sondern der Kampf und die Arbeit. –

Bacharach – das Ara Bacchi der Römer – liegt auf der linken Rheinseite zwischen Bingen und Koblenz, so recht in der Mitte der schönsten Partie des Stromthals. Hüben und drüben Herrlichkeit und Schönheit in unerschöpflicher Fülle; hüben und drüben Rebengelände, Felsufer und Waldungen, hochragende Burgen und stille Dörfer, Klöster und Kapellen, Schlösser und Villen, schattende Nußbäume und kletternder Epheu, und auf dem Gewässer unten das ewig wechselnde Leben: Schiffe und Boote, Dampfer und Floße mit ihren Kontrasten in Beweglichkeit und Schnelligkeit.

Bacharach selbst steht mit seinen Ruinen, Mauern und Warten wie ein Wächter uralter Zeit am Strome. Im Städtchen ist nichts Großes und Herrliches, was sich nicht an die Vergangenheit knüpfte oder ihr angehörte. Kein einziges neues Bauwerk ist vorhanden, was die Aufmerksamkeit gewinnen kann; was sie fesselt, sind die Kirchen, die öffentlichen Gebäude, die Thürme, die Thore, die Mauern, die vielen unter Weinreben und Obsthainen versteckten Trümmer, alle einer Zeit angehörend, die aus dem Mittelalter bis zu den Cäsaren hinan reicht. Sie sind die Hieroglyphen, welche die Schicksale des Rheinlandes erzählen – die Kriegs- und Eroberungszüge, deren Beute sie wurden, von den Völkern, welche da gewohnt, gestritten, geblutet, verheert und verwüstet haben, von den Reichen, die dort geblühet und untergegangen, von den Göttern, die dort eingezogen und geflohen, von den Glaubensformen, welche da entstanden und verschwanden, um anderen Platz zu machen. Für die Geschichte des rheinländischen Christenthums namentlich hat Bacharach eine Reihe merkwürdiger Monumente aufzuweisen und mehrere derselben repräsentiren die